Ich stehe früh auf und merke das das Licht nicht angeht, kein Strom im Haus. Was soll's, ich mach mich los, erstmal zum nächsten Geldautomaten, mein Bargeld ist wieder mal knapp, hm komisch, keine Anzeige am Automaten. Was soll's erstmal zum nächsten Café und einen schönen Kaffee genießen. Der Barkeeper deutet verzweifelt auf seine Kaffeemaschine, kein Kaffee. Langsam dämmerts mir, der ganze Ort hat keinen Strom, die Supermarktkassen schweigen, nichts geht. Schon irre wie schnell unsere schöne kleine Welt lahm gelegt werden kann. Ich mache mich los, heute geht's wieder auf Kieswegen und Nebenstraßen durchs Hinterland, großteils ist die Strecke identisch mit dem Camino del a Plata, dem Pilgerweg, der von Sevilla nach Santiago führt. Ich begegne den ganzen Tag über aber nur einen Wanderer. Zu der Jahreszeit tut sich das niemand mehr an, hier zu laufen. Die Strecke ist schön und anstrengend, ein einziges auf und ab. Aber es gibt wenigstens Schatten, ich fahre an Plantagen mit Olivenbäumen vorbei. Meine Beine wollen heute aber nicht mehr so richtig, es wird höchste Zeit ein paar Ruhetage einzulegen. Nach 40 km komme ich durch ein Dorf “Almaden de la Plata”, das mir sofort gefällt, wieder alles weiße Häuser, vor der Dorfkirche stehen Bäume mit lila Blüten, ein superschöner Kontrast zu den weißen Häusern und es gibt eine Herberge. Die nächste Unterkunft wäre noch 30 km weg und wäre dann auch ein Hotel. So ist der Entschluß schnell gefaßt, auf zur Herberge hier. Die Tür ist nur angelehnt, scheint niemand da zu sein. Es gibt 2 Schilder auf spanisch, die ich mit meinem Telefon schnell übersetze. Inhaltlich etwas so’ Herzlich willkommen, machen Sie es sich bequem, ich komme später vorbei, muß mich um meine 3 Kinder kümmern. Ich steige die Treppe zur Herberge hoch. Hier gefällts mir sofort, alles sehr rustikal und sauber, das hat Hüttencharakter. Also schaffe ich meine Sachen nach oben und dusche mir schon mal den Schweiß des Tages ab. Auf die eiskalte Dusche nach einer Tour hier, könnte ich nur sehr schwer verzichten, das weckt die Lebensgeister wieder. Kurz darauf höre ich auch schon ein Hola von unten. Meine junge sympathische spanische Gastgeberin hat mein Fahrrad vor der Tür bemerkt und erklärt mir in perfektem Englisch alles Wissenswerte zu Herberge und Dorf. Ich bin beeindruckt. Heute kann ich endlich mal Siesta halten, wie die Spanier. Schön im Schatten ruhen, bis die Sonne verschwunden ist. Anscheinend bin ich der einzige Gast im Schlafsaal, aber ich habe einen Mitbewohner, vorhin habe ich einen Gecko oder Salamander über die weiße Wand huschen sehen.
26.Tag Donnerstag der 06.Juni
Es geht nach Sevilla, nur noch 67kn. Der erste Teil der Strecke ist noch sehr hügelig auf wenig befahrenen Nebenstraßen. Am Himmel ist sowas wie Wolken. In einem Dorf in einer Bar, deutet der Wirt nach oben und meint Agua (Wasser). Ich bin skeptisch und fahre erstmal los. Und tatsächlich nieselt es 2 min lang, welch willkommene Abkühlung, 1 min später bin ich wieder komplett abgetrocknet, die graue Wolle ist weg und ich fahre wieder in der prallen Sonne. Je näher ich Sevilla komme um so voller wird die Straße. 15 km vor Sevilla gibt es dann plötzlich einen Radweg, der mich bis an den Stadtanfang begleitet. Weit und breit kein Radfahrer, schön das sie den für mich gebaut haben. In Sevilla schlage ich mich auf Nebenstraßen bis ins Stadtzentrum durch. Was mir als erstes auffällt, ist die miserable Luft, Staub, Abgase, dazu die drückende Hitze. Ich steige im Backpackers Hostel ab. 8 Mann Zimmer, Doppelstockbetten. Ich als alter Mann muś wieder oben schlafen. 2 m hoch ist meine Bettetage, die Leitersprossen sind aus kantigen Stahlsprossen, Stufenabstand 50cm. Wer baut sowas, ich will hier schlafen, nicht am Klettergerüst meine Beine ramponieren. Ich gehe erstmal in die Innenstadt. An einem Café erstmal eine eiskalte Cola, ich merke irgendwie geht's mir gar nicht gut, vielleicht was essen. Um die Ecke bestelle ich mir ein kleines Stück Pizze. Nach 2 Bissen ist es aus, Brechreiz, mein Kopf duselt nur noch vor sich hin. Mist, die ganze Strecke bis hierhin gefahren und jetzt hebelts mich aus, denke ich noch. Ich mach mich langsam los Richtung Plaza de Espana, unterwegs ist ein Park, ich muß unbedingt Stop machen. Eine halbe Stunde im Park bringt auch keine Besserung. Ich schleppe mich zurück ins Hostel Nach einer halben Stunde im Bett, ist es dann soweit, ich schaffe es im Eiltempo mein Klettergerüst runter ins Bad und mich verläßt mein Mageninhalt in Schüben. Der Brechreiz ist erstmal weg, ich fühle mich aber immer noch elend. Für mich ist heute nur schlafen angesagt. Sevilla muß warten.
27.Tag Freitag der 07.Juni
Ich fühle mich etwas besser heute morgen. Zum Frühstück kriege ich aber noch nicht mehr als eine trockene Weißbrotscheibe runter. Es geht auf Stadtbesichtigung, mit Stops in jeder Grünanlage die mir über den Weg läuft. Der ganze Trubel hier, Unmengen an Menschen und Autos ist mir heute noch zu viel. Ich bewundere aber trotzdem die engen Gäßchen, die Kathedrale und natürlich den Plaza de Espana. Das ist schon eine schöne Stadt mit viel Flair und leider auch vielen Autoabgasen. Der Sommer ist vielleicht auch nicht ganz ideal um hier zu sein. Dann geht's erstmal zu meiner neuen Unterkunft für heute, ich hab mir gestern noch ein Zimmer gebucht. Backpackers Hostel in meinem jetzigen Zustand geht einfach nicht.
Abends geht's dann nochmal los, wie die Spanier vor 19 Uhr geht hier kein Einheimischer vor die Tür. Erstmal zum Chinesen um die Ecke Nudeln essen, ich brauche heute was anderes als die übliche fettige spanische Kost. Dann geht's nochmal durch die Stadt Richtung Plaza de Espana. Jetzt kann ich auch langsam Sevilla genießen. Mein Magen scheint alles drinnen zu behalten, durch die Straßen streicht ein kühler Wind und Sevilla verzaubert mit seinem abendlichen Charme. Die Bars und Cafés sind hell erleuchtet, auf den Plätzen kann man Flamenco Tänzerinnen zu schauen und kriegt ein strahlendes Lächeln für eine kleine finanzielle Gabe. Willkommen in Sevilla jetzt habe ich mein Herz für Sevilla doch noch entdeckt. Echt schön hier.
Grüß mir mein Sevilla 😍 genieß die Gassen und das Grün dort . Gruß Maik
AntwortenLöschenWarst Du auch in Cadiz?
AntwortenLöschenNe Cadiz steht leider nicht auf dem Programm
Löschen