Morgens geht's nochmal in die Gassen der Altstadt bei der alten Kathedrale. Die Gäßchen sind schon urig, man findet immer neue sehenswerte Ecken. Danach ist ein Besuch im Hospital angesagt. Nicht das ich krank bin, in dem Hospital wäre ich aber vielleicht ganz gern ein bißchen krank. Das Hospital San Pau wurde vom Architekten Luis Domenech entworfen, einem Zeitgenossen Gaudis. Es ähnelt eher einem Palast, eine wirklich schöne Anlage im Jugendstil. Danach geht's dann zum Park Güell, diesmal habe ich ja eine Eintrittskarte. Leider ist das Wetter ziemlich grau heute, kein einziger Sonnenstrahl, keine guten Vorraussetzungen um gute Bilder zu schießen. Den Park kennzeichnen vor allem die von Gaudi entworfenen Säulenbrücken- und Wege und einige kleinere Bauten in seinem unverkennbaren Stil, in dem alles rund und geschwungen ist. Und man hat vom Hügel hier wieder eine gute Sicht auf Barcelona, wenn man denn eine Sicht hat, heute eher nicht so. Schade das das Wetter heute nicht so paßt, mit ein paar Sonnenstrahlen sieht das alles bestimmt viel besser aus.
43.Tag Sonntag der 23.Juni
Der Tag beginnt heute mit bedecktem Himmel und etwas kühler. Ideal für mich, es geht mit dem Fahrrad heute weiter, Richtung Pyrenäen und Frankreich. Da heute Sonntag ist, ist der Verkehr in Barcelona nicht so viel und ich kann ohne Streß durch die Stadt radeln. Es geht Richtung Strand. Die Strände begleiten mich heute den ganzen Tag. Entweder ich fahre direkt an den Strandpromenaden oder wechsle auf eine parallel laufende Landstraße, um ab und zu etwas Strecke zu machen. Sandstrände ohne Ende hier. Wenn sich ab und zu ein paar felsige Abschnitte dazu gesellen, wirds richtig urig schön. Ab Mittag kommt die Sonne wieder etwas raus und alles beginnt zu leuchten. Bei Malgrat del Mar will ich auf einem Campingplatz einchecken, aber es ist alles voll. Morgen ist Feiertag hier, St. Juan, es wird den ganzen Tag heute schon geböllert. Ich klappere noch 5 weitere Campingplätze ab, überall Absagen, obwohl ich denen klar mache, das ich wenig Platz brauche und mit dem Fahrrad mir auch langsam die Kräfte ausgehen. Das wäre in Mitteleuropas eigentlich undenkbar, einen Notcampingplatz für Radler gibt's eigentlich immer, hier nicht. Mir sind die Optionen ausgegangen und ich stelle mich drauf ein, mir irgendein stilles Örtchen abseits für die Nacht zu suchen. Es ist mittlerweile nach 20 Uhr und ich rolle durch das nächste Örtchen und plötzlich taucht vor mir links noch ein Camping auf. Die Rezeption hat schon geschlossen, aber der Platzwart ist noch da und ich kriege Wunder oh Wunder einen Platz für mein Zelt und meine wohlverdiente kalte Dusche. Der Campingplatz war auf keiner meiner Apps verzeichnet, wohl deshalb gab's hier noch freie Plätze, kennt halt keiner. Danach gönne ich mir erstmal zwei Mojitos an der Bar. Abends geht's dann zur Strandpromenade. Hier ist irre was los. Menschen über Menschen am Strand und an der Promenade davor. Es wird geböllert was das Zeug hält. Silvester mitten im Sommer. Im Hintergrund kann ich den Hügel über der Stadt mit einer Burg gerade noch erahnen. Je mehr ich mich darauf zu bewege umso mehr verschwindet er im Räuchernebel des Feuerwerks. Die gute Laune der Spanier steckt an, überall wird Radau gemacht oder Bands spielen. Auf dem Rückweg zum Camping in der Nacht, sieht man allerdings auch überall den Dreck von Feuerwerk und Böllern am Strand. Die Nacht bleibt unruhig, irgendwann schlafe ich dann doch ein, während draußen ohne Unterlaß geböllert wird.
44.Tag Montag der 24.Juni
Nachdem es gestern spät geworden ist, geht es heute auch etwas später los, 10:30 sitze ich auf dem Rad und es geht Richtung Norden, landeinwärts. Am Anfang begleite ich den Fluß Tordera, der hier vor der Einmündung ins Meer ein schönes Delta bildet und von meterhohen Schilfgras gesäumt wird. Dann wird die Landschaft hügelig, heißt für mich geht es jetzt auch wieder hoch und runter. Die Strecke ist schön, teils auf dem Seitenstreifen der Landstraße oder auf unbefahrenen Nebenstraßen bis zu Schotterpisten, alles dabei heute. Es geht teils durch Pinienwälder. Im Hintergrund sehe ich die Pyrenäen, ganz schön imposant. Die Gegend ist wieder merklich grüner, ich fühle mich fast an zu Hause erinnert Ich fahre durch Girona, schieße noch schnell ein Bild von der Kathedrale und den alten bunten Häusern am Fluß und weiter geht's. Ich will noch ein paar km machen, morgen geht's in die Pyrenäen, jeder km den ich heute mehr fahre, macht's mir morgen leichter. In dem kleinen Örtchen Bordils 10km hinter Girona gibt's 4 Pensionen und ein Hotel, wird ja wohl was für mich dabei sein. Und meine Irrfahrt auf der Suche nach Unterkünften geht wieder los. An 2 Pensionen ist niemand da, auch keine Telefonnummer und die anderen beiden Pensionen haben kein Zimmer, das Hotel hat geschlossen und ich sitze wieder im nirgendwo. Nach langem Hadern entschließe ich mich nach Girona zurück zu fahren, wiedermal 20km umsonst gefahren heute. Mittlerweile wieder nach 20 Uhr checke ich im ersten Hotel hier ein, ich will wirklich nicht mehr weiter suchen.
45.Tag Dienstag der 25.Juni
Heute schaffe ich es früher zu starten. Nach einem kleinen Frühstück im Café des Hotels starte ich um 9:30. Die ersten 55km sind leicht zu fahren heute. Die Strecke geht großteils auf abgelegenen Nebenstraßen oder Outdoor auf Schotterpisten. Alles angenehm zu radeln, keine großen Steigungen Die Pyrenäen rücken merklich näher und sind auf einmal direkt vor mir. In Vilajuiga, einem kleinen Örtchen direkt vor den Bergen, mache ich nochmal Rast. Es gibt das große Döner Menü, ich brauche Energie, ab jetzt geht's 500m hoch. Die Strecke hochwärts zieht sich, ich fahre großteils im kleinsten Gang, das ist nicht viel mehr als Schrittgeschwindigkeit. Aber die Steigungen haben es auch in sich, bis zu 13%. Ich schaffe es aber auch ohne Schieben mit 2 Fotostops unterwegs. Leider ist die Sicht landeinwärts ziemlich diesig heute, man kann die Berge der Pyrenäen im Hintergrund nur noch erahnen. Die Rennradler unterwegs begrüßen mich teilweise wieder mit dem Daumen nach oben. Auf dem Gipfel bin ich nach 1h und Schweiß überströmt. Aber mir bietet sich eine grandiose Sicht auf das Meer auf der anderen Seite des Bergs und das strahlend weiße Örtchen da unten in einer Bucht. Da muß ich hin heute. Die Abfahrt ist ein Genuß. In Serpentinen geht's runter mit immer wieder grandiosen Aussichten. Der Campingplatz ist schnell gefunden. Die Preise der Plätze hier an der Costa Brava sind deutlich höher als ich es sonst aus Spanien gewohnt bin. In Cordoba hatte ich für den Preis Übernachtungen in Hostel und Pension. Aber was soll's, dafür bin ich direkt am Strand. Heute bin ich zu faul noch ins Meer zu springen, aber das wird morgen früh gleich das Erste.
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