Dienstag, 4. Juni 2024

Tag 22 bis Tag 24

22.Tag Sonntag der 02. Juni

Frühs treffe ich auf dem Campingplatz noch den Holländler von gestern. Heute ist er gesprächiger. Er erzählt mir, das er auf dem Weg nach Lissabon ist, von dort fährt er nach Pamplona, wo es ein Busunternehmen Cycletours gibt, das Fahrradreisender wieder nach Mitteleuropas bringt. Gut zu wissen. Für mich geht's heute nach Merida, wieder auf meiner Landstraße N630. Ich sehe immer häufiger Palmen und auch große Kakteen. Die Landschaft besteht aus goldgelbem Gras, Büschen und Olivenbäumen. Die Steigungen halten sich in Grenzen, aber die Hitze ab Mittag ist enorm. Ich halte an jeder Bar um Cervezas Con Limo zu tanken, Ohren diese eiskalten Erfrischer würde ich nicht weit kommen. Auf halber Strecke winkt mir ein entgegenkommender Reiseradler zu. Wir stoppen und halten erstmal Palaver. Endlich mal wieder ein Reiseradler von alter Schule. Alex aus Belgien, wir tauschen uns über unsere Reiseziele aus. Er erzählt mir das er in Malaga gestartet ist und über Sevilla gefahren ist, genau meine Strecke. Er meint am Mittelmeer ist es besser mit den Temperaturen, nur hier im Landesinneren ist es so extrem. Wir verabschieden uns und fahren in entgegengesetzter Richtung weiter, vielleicht fährt man sich ja nochmal über den Weg. Gegen 16 Uhr erreiche ich Merida. Ich will in einem Hostel hier übernachten. Es ist aber wieder Mal niemand da. Ich wähle die Telefonnummer die auf der Tür steht. Eine Frau meldet sich und ich versuche auf Englisch zu erklâren, das ich gerne hier übernachten würde. Die Frau radebrecht in einem Mix aus spanisch und ich will's nicht Englisch nennen. Irgendwie gibt's wieder Mal ein Panel mit Zahlen und Buchstaben neben der Tür, das ich mit ihrer Hilfe bedienen soll. Ich werde aber aus ihrem spenglisch nicht schlau und rufe den nächsten vorbei kommenden freundlich aussehenden Mann zu Hilfe und überreiche ihm das Telefon. Zum Glückb spricht er etwas Englisch und drückt nach Anweisung der Frau die richtigen Tasten am Panel. Plom das Panel springt auf, dahinter verbergen sich die Zugangsschlüssel zum Hostel. Ich bedanke mich überschwänglich und halte jetzt einen Schlüssel in der Hand, Problem gelöst denke ich voreilig. Der Mann ist inzwischen weiter gezogen. Ich stecke den Schlüssel ins Schloss, passt, aber drehen läßt er sich nicht. Ich probiere alle Varianten, die Tür geht nicht auf. Ich malträtiere den nächsten Passanten, der zum Glück etwas Englisch versteht. Er versucht ebenfalls aufzuschließen, geht nicht. Er entdeckt ein Schild neben der Eingangstür, auf dem steht in spanisch, das der Eingang für Gäste um die Ecke ist und führt mich dorthin. Endlich paßt der Schlüssel, ich bin drin Er verabschiedet sich lachend. Ich hasse diese HomeOffice Hotels. Gegen Abend geht's dann in die Stadt zur Besichtigung. Merida hat römische Wurzeln, überall gibt es Ausgrabungsstätten und Säulen zu bewundérn. Ein Aquädukt habe ich schon auf der Fahrt in die Stadt rein bestaunt. Für Eintrittsgeld kann man auch ein Amphitheater mit angrenzender Gladiatorenarena bewundern. Zum Schluss sitze ich auf der Plaza de Espana und lasse den Tag ziemlich geschafft ausklingen.

23.Tag Montag der 03. Juni

Ich komme erst nach 10 Uhr heute los, vorher ist noch niemand an der Rezeption des Hostels und ich muß ja noch zahlen. Die Temperaturen steigen jeden Tag weiter an, für heute sind 35 Grad angesagt. Die Morgenstunden sind also kostbar zum Radeln. Ab Mittags wird's unerträglich in der Sonne. Heute geht es nur bergauf den ganzen Tag, nur mit geringen Steigungen, aber richtig rollen tut's so natürlich nicht. Ab Mittag schleppe ich mich im Energiesparmodus, bloß nicht zu sehr überhitzen wieder von Bar zu Tankstelle zu Bar und sauge jedes kühle Getränk dankbar auf. Meine Trinkflaschen sind ab mittags heißgelaufen, das Wasser darin nur noch für den Notfall zu gebrauchen. Am Himmel sind kleine Wolken und ich bedanke mich persönlich bei jeder, die sich kurzzeitig vor die pralle Sonne schiebt. Nach 50km bei Villafranca bin ich platt und habe keine Lust mehr mein Fahrrad aus der schattigen Bar in die gleißende Sonne raus zu schieben. Im Ort gibt es laut meiner Karten-App 2 Herbergen und ein Hostel. Also auf in den Ort, Nach einer Irrfahrt durch das Örtchen Stelle ich fest, keine dieser 3 Unterkünfte gibt es wirklich oder nicht mehr. Bei Nachfrage bei einem Einheimischen nach einer Unterkunft, kriege ich etwas folgende Anweisungen auf spanisch: gerade-links-links-gerade-gerade- rechts……
Klaro sage ich, muchos Gracias und verschwinde aus diesem Ort, dann halt doch weiter. Auf meiner Weiterfahrt komme ich durch eines der hier sehr bekannten weißen Dörfer, Los Santos de Maimona. Alle Häuser sind hier komplett weiß. Das hat schon was mit dem strahlend blauen Himmel dazu. In Zafira finde ich dann endlich ein Hostel, das es tatsächlich gibt, sogar mit Bar und Restaurant dran. Weiter werde ich mich heute nicht mehr bewegen.

24.Tag Dienstag der 04.Juni

Es geht weiter bergaufwärts. Großteils wieder auf meiner Landstraße N630. Klimatisch ist der Tag eine Kopie des Gestrigen, einfach nur heiß. Die Hügel, die ich frühs am Horizont sehe, muß ich am Nachmittag hochfahren. Schatten gibt's hier nirgendwo an der Landstraße. Also Staub schlucken und durchhalten bis zum nächsten Ort mit Bar. Der Anstieg nach Monesterio hoch ist nochmal ziemlich lang und kräftezehrend. In Monesterio auf der Bergspitze mache ich noch kurz halt, Essen fassen, runter kühlen und dann geht's weiter zu meinem Campingplatz, sind nur noch 7km und die geht's in einer rasanten Abfahrt runter. Der Campingplatz ist schon ausgeschildert. Zielgerichtet führen mich die Schilder ins Tal vor die Tore eines verriegelten, wohl schon seit Jahren geschlossenen Platzes. Ich fluche, ich habe den Platz extra nach gegoogelt, da gibt's Bewertungen, die Ausstattung ist bis ins kleinste beschrieben und dann steht man vor einem Geisterplatz. Das nächste Hotel auf meinem Weg ist noch über 50 km entfernt, das schaffe ich bei der Hitze nachmittags heute nicht mehr. Die einzige Alternative ist wieder zurück auf den Berg nach Monesterio. Also strample ich mühselig wieder die Steigungen nach oben, die ich eben noch freudestrahlend runter gerast bin. Im Ort finde ich ein Hostel, wieder mal unbesetzt und mit Telefonnummer an der Tür. Ich stelle mich innerlich wieder auf den Kampf ein, der mich zu Zimmer und Dusche bringt. Hola, melde ich mich am Telefon. Momento, schallt es zurück. Aufgelegt. 2 Minuten später spaziert ein alter Herr um die Ecke, öffnet die Garage für mein Fahrrad und ich bin drin. Endlich wieder alte Schule.

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