Heute geht's auf Landstraße westwärts weiter. Da es parallel zu meiner Landstraße eine Autobahn gibt und natürlich alle Autobahn fahren wollen, habe ich die Straße fast für mich allein. Ein 8 Meter breiter Streifen Asphalt, das nenne ich mal einen Fahrradweg. Es gibt keinen Gegenwind, die Landschaft ist nur leicht wellig, so kann ich schnell Strecke machen. Es gibt allerdings auch nichts besonderes zu sehen. Die Gegend ist von Landwirtschaft geprägt und die Sonne brennt ab Mittag wieder unerbittlich. Es gibt auch keinen Schatten auf der Strecke. Um meine verbrannten Arme zu schützen, lasse ich lieber die Softshelljacke an. In den Bars der Ortschaften die ich durchfahren, versorge ich mich mit Cervezas Con Limo (Radler). Bis Zamora geht's heute, hier soll es einen Campingplatz 5km hinter der Stadt geben. Also nach Zamora rein und auf Feldwegen weiter zudem Camping. Irgendwas kommt mir hier spanisch vor, keine Hinweisschilder für den Campingplatz hier draußen und ich sehe weit und breit nur landwirtschaftliche Nutzfläche. Ich checke nochmal die Position des Campingplatzes in einer anderen Navi App. Nö ich bin richtig hier, nur Camping ist hier nicht. Zum Glück war ich heute schnell unterwegs und hab noch Zeit für eine Unterkunftssuche, aber schon ärgerlich solche Fehleinträge. Also geht's wieder zurück nach Zamora, ich orte dort eine Albergue (Herberge). Die Albergue betreibt ein nettes älteres Pärchen, sie machen das als Ehrenamt. So muß man hier auch nichts bezahlen, aber sie bitten um eine Spende. In dem Moment, wo ich meine 20 € in die Spendenbox schiebe, denke ich, eigentlich ganz clever, man gibt automatisch mehr als man in einer üblichen Herberge bezahlt. Aber ich will dem wirklich netten Pärchen nichts unterstellen, wie gesagt man braucht auch nichts zu geben. Dann kommt die Frage nach meinem Pilgerpass auf und ich habe natürlich keinen. Das geht so natürlich nicht und schwupps liegt ein Pilgerpass vor mir zum Ausfüllen und mit dem ersten Herbergsstempel drinnen. So jetzt ist es offiziell, ich bin in die Gemeinschaft der Pilger aufgenommen. Das mein Reiseziel nicht Santiago ist, verrate ich lieber nicht. Ist ja auch so irgendwie eine Pilgerreise, oder? Ich bin hier an einer Route des Jakobswegs, die von Sevilla nach Santiago führt. Der Herbergsvater zeigt mir ganz stolz das Gebäude. Die kleine Herberge schmiegt sich am Hang an die nebenan höher gelegene alte Kirche. In den unteren Geschossen sieht man die Granitblöcke der Kirche an die sich die Herberge anlehnt.. Ich breche nochmal zu Fuß zur Stadtbesichtigung auf, einmal die Boulevard Straße hoch und runter, an einigen typisch spanischen Kirchen vorbei. Die Hauptplaza gefällt mir sehr gut. Hier sprudelt wieder das Leben. Abends in der Herberge lerne ich zuerst Ernst kennen. Er ist ein mehr als rüstiger 74-jähriger aus Trier. Er läuft jeden Tag ca. 35km, Hut ab. Danach noch ein belgisches Ehepaar, beide 82 und laufen noch 20 km jeden Tag. Sie machen das seit 20 Jahren und sind wohl schon jegliche Route des Weges gelaufen. Niemand sagt hier Jakobsweg, hier heißt es einfach El Camino (Der Weg).
17.Tag Dienstag der 28. Mai
6 Uhr aufstehen, ist halt so in diesen Herbergen. Auf der Terrasse kann man die Störche auf dem Kirchturm nebenan klappern hören, für die ist auch gerade Aufstehenzeit. Hier in der Gegend sind eigentlich auf fast jedem Kirchturm Störche. Es gibt Frühstück in der Küche der Herberge. Nur Weißbrot mit Marmelade und Kaffee, aber immerhin. Der Herbergsvater verabschiedet mich mit einem Lächeln und Handschlag. Wirklich sehr sehr nett, kein Vergleich zur vorherigen Herberge. Die ersten 20 km fahre ich heute auch wieder auf dem Camino. Aber im Gegensatz zur Hauptroute geht es hier wirklich über Stock und Stein. Nach einigen km höre ich ein ungewöhnliches Klappern und Quietschen an meinem Rad. Ich kontrolliere nochmal, ob das Gepäck auch richtig verstaut ist, sitzt aber alles fest. Bis mir auffällt, das das hintere Schutzblech sich langsam löst. Ich ziehe nochmal die Schrauben nach, Stelle aber fest, das da eine Kontermutter zur Arretierung fehlt. Das wird sich wohl noch öfters lockern während meiner Tour. So sehe ich dann auch zu das ich nach 20 km von der Holperstrecke runterkomme. Es ist superschön hier auf dem Camino, aber auch anstrengend und man kommt nur sehr langsam hier vorwärts. So bin ich dann wieder auf der Landstraße. Hier verläuft eine Autobahn nach Salamanca und links und rechts davon verläuft eine Landstraße. Ich kann mir aussuchen welche ich nehme, beide leer. Ich entscheide mich heute mal für links. Es ist komplett windstill. Bis auf einen kleinen Pass von 200m, den ich zwischendurch mal hoch muß, ist die Strecke fast super gerade, nur leicht wellig. Ich schalte den Autopiloten ein und kann steckenweise mit über 30 durchbrausen. Salamanca, mein Ziel heute, hat rundherum mehr als 4 Campingplätze. Östlich von Salamanca finde ich einen, der Don Quijote heißt und schön am Fluß liegt. Finde ich irgendwie passend den Namen, also auf dahin. Salamanca berühre ich bei der Durchfahrt nur im Norden, dann geht's erstmal ostwärts raus und ich muß auf den restlichen 7 km zum Camping nochmal Höhenmeter über 3 Hügel schlucken. Zum Ende der Tour tut das so unerwartet nochmal weh. Am Camping checke ich für 2 Tage ein und man zeigt mir hier auch gleich auf der Karte, es gibt auch einen schön flachen Weg am Fluß entlang nach Salamanca rein. Zum Abendbrot packe ich heut mal mein Kochzeug aus, kann ja nicht sein, das ich das den ganzen Urlaub sinnlos mit mir rumschleppe. Spaghetti gibt's was sonst, mit guten Eberswalder Würstchen, die jetzt wirklich langsam weg nüssen
18.Tag Mittwoch der 29. Mai
Stadtbesichtigung. Früh geht's mit dem Fahrrad die 7km immer schön am Fluß entlang in die Stadt rein. Die Altstadt von Salamanca gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und ist absolut sehenswert. Salamanca wird auch die Goldene genannt, weil alle Gebäude hier mit einem gelbbraunen Stein gebaut wurden. Eine neue und eine alte Kathedrale gibt es zu bestaunen und noch etliche andere Kirchenbauwerken. Die Gebäude sind reich mit Ornamenten und Steinmetzkunst versehen. Es gibt zahlreiche Cafés und Bars, die zum Verweilen einladen und natürlich die uralte Universität. Salamanca hat wirklich Flair, die zahlreichen Gassen laden förmlich zum Erkunden ein. Meine kulinarische Entdeckung des Tages sind Empanadas, Teigtaschen mit allen möglichen Füllungen, sehr lecker. So ist der Tag schnell rum und die Kamera mit vielen Bildern gefüttert.