Mittwoch, 29. Mai 2024

Tag 16 bis Tag 18

16.Tag Montag der 27. Mai

Heute geht's auf Landstraße westwärts weiter. Da es parallel zu meiner Landstraße eine Autobahn gibt und natürlich alle Autobahn fahren wollen, habe ich die Straße fast für mich allein. Ein 8 Meter breiter Streifen Asphalt, das nenne ich mal einen Fahrradweg. Es gibt keinen Gegenwind, die Landschaft ist nur leicht wellig, so kann ich schnell Strecke machen. Es gibt allerdings auch nichts besonderes zu sehen. Die Gegend ist von Landwirtschaft geprägt und die Sonne brennt ab Mittag wieder unerbittlich. Es gibt auch keinen Schatten auf der Strecke. Um meine verbrannten Arme zu schützen, lasse ich lieber die Softshelljacke an. In den Bars der Ortschaften die ich durchfahren, versorge ich mich mit Cervezas Con Limo (Radler). Bis Zamora geht's heute, hier soll es einen Campingplatz 5km hinter der Stadt geben. Also nach Zamora rein und auf Feldwegen weiter zudem Camping. Irgendwas kommt mir hier spanisch vor, keine Hinweisschilder für den Campingplatz hier draußen und ich sehe weit und breit nur landwirtschaftliche Nutzfläche. Ich checke nochmal die Position des Campingplatzes in einer anderen Navi App. Nö ich bin richtig hier, nur Camping ist hier nicht. Zum Glück war ich heute schnell unterwegs und hab noch Zeit für eine Unterkunftssuche, aber schon ärgerlich solche Fehleinträge. Also geht's wieder zurück nach Zamora, ich orte dort eine Albergue (Herberge). Die Albergue betreibt ein nettes älteres Pärchen, sie machen das als Ehrenamt. So muß man hier auch nichts bezahlen, aber sie bitten um eine Spende. In dem Moment, wo ich meine 20 € in die Spendenbox schiebe, denke ich, eigentlich ganz clever, man gibt automatisch mehr als man in einer üblichen Herberge bezahlt. Aber ich will dem wirklich netten Pärchen nichts unterstellen, wie gesagt man braucht auch nichts zu geben. Dann kommt die Frage nach meinem Pilgerpass auf und ich habe natürlich keinen. Das geht so natürlich nicht und schwupps liegt ein Pilgerpass vor mir zum Ausfüllen und mit dem ersten Herbergsstempel drinnen. So jetzt ist es offiziell, ich bin in die Gemeinschaft der Pilger aufgenommen. Das mein Reiseziel nicht Santiago ist, verrate ich lieber nicht. Ist ja auch so irgendwie eine Pilgerreise, oder? Ich bin hier an einer Route des Jakobswegs, die von Sevilla nach Santiago führt. Der Herbergsvater zeigt mir ganz stolz das Gebäude. Die kleine Herberge schmiegt sich am Hang an die nebenan höher gelegene alte Kirche. In den unteren Geschossen sieht man die Granitblöcke der Kirche an die sich die Herberge anlehnt.. Ich breche nochmal zu Fuß zur Stadtbesichtigung auf, einmal die Boulevard Straße hoch und runter, an einigen typisch spanischen Kirchen vorbei. Die Hauptplaza gefällt mir sehr gut. Hier sprudelt wieder das Leben. Abends in der Herberge lerne ich zuerst Ernst kennen. Er ist ein mehr als rüstiger 74-jähriger aus Trier. Er läuft jeden Tag ca. 35km, Hut ab. Danach noch ein belgisches Ehepaar, beide 82 und laufen noch 20 km jeden Tag. Sie machen das seit 20 Jahren und sind wohl schon jegliche Route des Weges gelaufen. Niemand sagt hier Jakobsweg, hier heißt es einfach El Camino (Der Weg).

17.Tag Dienstag der 28. Mai

6 Uhr aufstehen, ist halt so in diesen Herbergen. Auf der Terrasse kann man die Störche auf dem Kirchturm nebenan klappern hören, für die ist auch gerade Aufstehenzeit. Hier in der Gegend sind eigentlich auf fast jedem Kirchturm Störche. Es gibt Frühstück in der Küche der Herberge. Nur Weißbrot mit Marmelade und Kaffee, aber immerhin. Der Herbergsvater verabschiedet mich mit einem Lächeln und Handschlag. Wirklich sehr sehr nett, kein Vergleich zur vorherigen Herberge. Die ersten 20 km fahre ich heute auch wieder auf dem Camino. Aber im Gegensatz zur Hauptroute geht es hier wirklich über Stock und Stein. Nach einigen km höre ich ein ungewöhnliches Klappern und Quietschen an meinem Rad. Ich kontrolliere nochmal, ob das Gepäck auch richtig verstaut ist, sitzt aber alles fest. Bis mir auffällt, das das hintere Schutzblech sich langsam löst. Ich ziehe nochmal die Schrauben nach, Stelle aber fest, das da eine Kontermutter zur Arretierung fehlt. Das wird sich wohl noch öfters lockern während meiner Tour. So sehe ich dann auch zu das ich nach 20 km von der Holperstrecke runterkomme. Es ist superschön hier auf dem Camino, aber auch anstrengend und man kommt nur sehr langsam hier vorwärts. So bin ich dann wieder auf der Landstraße. Hier verläuft eine Autobahn nach Salamanca und links und rechts davon verläuft eine Landstraße. Ich kann mir aussuchen welche ich nehme, beide leer. Ich entscheide mich heute mal für links. Es ist komplett windstill. Bis auf einen kleinen Pass von 200m, den ich zwischendurch mal hoch muß, ist die Strecke fast super gerade, nur leicht wellig. Ich schalte den Autopiloten ein und kann steckenweise mit über 30 durchbrausen. Salamanca, mein Ziel heute, hat rundherum mehr als 4 Campingplätze. Östlich von Salamanca finde ich einen, der Don Quijote heißt und schön am Fluß liegt. Finde ich irgendwie passend den Namen, also auf dahin. Salamanca berühre ich bei der Durchfahrt nur im Norden, dann geht's erstmal ostwärts raus und ich muß auf den restlichen 7 km zum Camping nochmal Höhenmeter über 3 Hügel schlucken. Zum Ende der Tour tut das so unerwartet nochmal weh. Am Camping checke ich für 2 Tage ein und man zeigt mir hier auch gleich auf der Karte, es gibt auch einen schön flachen Weg am Fluß entlang nach Salamanca rein. Zum Abendbrot packe ich heut mal mein Kochzeug aus, kann ja nicht sein, das ich das den ganzen Urlaub sinnlos mit mir rumschleppe. Spaghetti gibt's was sonst, mit guten Eberswalder Würstchen, die jetzt wirklich langsam weg nüssen 

18.Tag Mittwoch der 29. Mai

Stadtbesichtigung. Früh geht's mit dem Fahrrad die 7km immer schön am Fluß entlang in die Stadt rein. Die Altstadt von Salamanca gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und ist absolut sehenswert. Salamanca wird auch die Goldene genannt, weil alle Gebäude hier mit einem gelbbraunen Stein gebaut wurden. Eine neue und eine alte Kathedrale gibt es zu bestaunen und noch etliche andere Kirchenbauwerken. Die Gebäude sind reich mit Ornamenten und Steinmetzkunst versehen. Es gibt zahlreiche Cafés und Bars, die zum Verweilen einladen und natürlich die uralte Universität. Salamanca hat wirklich Flair, die zahlreichen Gassen laden förmlich zum Erkunden ein. Meine kulinarische Entdeckung des Tages sind Empanadas, Teigtaschen mit allen möglichen Füllungen, sehr lecker. So ist der Tag schnell rum und die Kamera mit vielen Bildern gefüttert.


Sonntag, 26. Mai 2024

Tag 13 bis Tag 15

13.Tag Freitag der 24. Mai

Die Sonne scheint. Heute fahre ich den ganzen Tag auf dem Jakobsweg, das heißt auf Kies- und Schotterwegen großteils. Es ist superschön. Buen Camino ist der Gruß hier auf dem Weg. Außer Fußgängern sind hier vor allem viele E-Bike Fahrer unterwegs. Einen anderen Bio-Biker treffe ich immer wieder unterwegs, einen Neuseeländer. Ich bin zwar trotz wesentlich mehr Gepäck schneller unterwegs als er, aber durch meine zahlreichen Fotostops gleicht sich das aus Es ist leicht hier Kontakt zu den Leuten an den zahlreichen Raststätten zu bekommen. Man trifft sich immer wieder. So treffe ich hier auch wieder auf ein älteres Ehepaar aus Kassel mit E-Bikes, die ich gestern schon in Burgos kennengelernt hatte. Mit einer E-Bike Gang aus Südtirol ist auch schnell Bekanntschaft geschlossen. Wenn man Einsamkeit sucht, ist man falsch auf dem Jakobsweg. Hier sind alle Nationalitäten unterwegs. Für die kleinen Dörfchen, die man durchquert, eine lohnenswerte Einnahmequelle, bei den Massen die verköstigt werden müssen. Der ganze Tag heute ist eine wahre Pracht, die ganze Landschaft um einen herum leuchtet in der Sonne. Ich rolle durch leicht hügeliges Gelände, die Höhenmeter halten sich in Grenzen. Es ist echt schön hier auf dem Jakobsweg. Bis Fromista komme ich heute und steige hier in einer Herberge, wieder mal im Massenschlafsaal, ab 

14.Tag Samstag der 25. Mai

Kurz nach 6 Uhr werde ich wach. Die Pilger packen schon wieder zusammen, mehr als ein bißchen vor mich hindösen schaffe ich jetzt auch nicht mehr, zumal der unfreundliche Herbergsvater gestern klar gemacht hat, bis 7:30 ist die Unterkunft zu räumen. Also halt früh raus. Aber ich quäle den griesgrämigen kleinen Herren noch etwas und lasse mir bis 7:45 Zeit bis mein Fahrrad bepackt ist. Die Pilger sind schon längst verschwunden und ich nehme das spanische Geknurre des Herbergsvaters mit einem “nix Verstehen” Grinsen entgegen. Zum Glück finde ich einen Bäcker, der so früh schon auf hat. Für mich geht's heute runter vom Jakobsweg. Während die Pilger westwärts ziehen, führt mich mein Weg südwärts, dem Eurovelo 1 folgend. Großteils bin ich wieder auf Feldwegen abseits der Straßen unterwegs. Ich fahre neben einem Kanal, der von Bäumen gesäumt ist. Was ganz angenehm ist. Nach all den Regentagen drückt die Sonne ab Mittag schon ganz schön hier, da bin ich für jedes bißchen Schatten dankbar. Außer mir ist hier niemand unterwegs, Irgendwie vermisse ich den ganzen Trubel vom Jakobsweg. In Palencia mache ich kurz Stop um mir Sonnencreme zu besorgen. 2 Tage Sonne haben ausgereicht um mir die Ohren zu verbrennen. Ziemlich intensiv die Sonne hier, obwohl es noch gar nicht so warm ist, wahrscheinlich liegt es auch daran, das ich hier auf einem Hochplateau mit 800m NN unterwegs bin. Ab Mittag kriege ich dann heftigeren Gegenwind, das macht die Tour auf dem sandigen Untergrund ziemlich anstrengend. Nach 65km checke ich dann in einem, der im Inland sehr rar gesäten, Campingplätze ein. Abends in der Bar komme ich dann mit einem Pärchen auf Englisch ins Gespräch, wie es sich herausstellt sind sie Holländer und sind ganz erstaunt, als ich verrate, das ich aus Deutschland komme, sie hatten mich tatsächlich für einen Engländer gehalten. Kann ja also doch nicht so schlecht stehen mit meinem Englisch. 

15.Tag Sonntag der 26. Mai

Nach dem Frühstück in der Campingplatz Bar geht es heute erstmal wieder schön abseits der Straßen an meinem schattigen Kanal entlang. Kurz vor Valladolid geht's aber wieder auf die Straße. Zum Glück ist nicht viel Verkehr und auch keine 40 Tonner. Die Stadt zu Durchqueren ist wieder nervig. Fahrradweg auf linker Seite, auf rechter Seite, Kreisverkehr, Ampeln. Ich hänge mich an eine Rennradtruppe um schneller durchzukommen, die nehmen allerdings wenig Rücksicht auf rote Ampeln. Was soll's, bin ja anpassungsfähig. Aus der Stadt raus geht es wieder auf Feldwegen weiter. Mittlerweile merke ich das meine Arme eine eher rötliche Färbung mit weißen Flecken angenommen haben. Mist vor 3 Tagen habe ich mir hier noch Frostbeulen geholt und jetzt kommen die ersten Brandblasen. Irre wie schnell das hier geht, eigentlich bin ich nicht so schnell Sonnenbrand gefährdet. Bis Tordesillas komme ich heute. Hier gibt es wieder einen Campingplatz auf dem ich schon 15 Uhr einchecken. Nach mir kommen noch 2 Radler an, die sich auf dem Platz neben meinem Zelt platzieren. Ich höre heimische Laute beim Zeltaufbau meiner neuen Nachbarn. 2 junge Leipziger wie sich herausstellt. Die beiden sind seit April unterwegs und machen 5 Monate lang eine Europa Tour auf dem Rad. Momentan sind sie auf dem Weg nach Porto. Schön hier Gleichgesinnte zu treffen.

Freitag, 24. Mai 2024

Tag 10 bis Tag 12

10.Tag Dienstag der 21. Mai

Es geht weiter bei sehr durchwachsenem Wetter. Heute geht es ständig bergan mit sehr geringem Steigungen, aber man hat ständig das Gefühl, es hält einen hinten jemand fest, da die Steigungen visuell kaum wahrnehmbar sind. Erst geht es entlang einsamer Landstraßen und irgendwann stoße ich dann auf den Jakobsweg. An einer Raststätte am Wegesrand sehe ich die Pilger nacheinander vorbeiziehen, da ist alles vertreten, jung, alt, sportlich, hüftlahm. Eigentlich ist ein Teil meines weiteren geplanten Weges identisch mit dem Jakobsweg. Aber stetig bergan habe ich keine Lust auf diese Schotterpiste und dann noch ständig Pilger umrunden. Also weiche ich auf die Landstraße aus. Auf Asphalt rollt es sich doch deutlich besser. Hat den Nachteil, hier rollt ein 40Tonner nach dem anderen an mir vorbei. Irre was los auf der Straße. Zum Glück habe ich einen 1 Meter breiten Seitenstreifen für mich, aber Spaß macht das so natürlich nicht. Bis Villafranca komme ich, die erste Herberge ist schon voll belegt. Also ziehe ich weiter zum Hotel auf dem Hügel. Eine sehr beeindruckende mittelalterliche Anlage erwartet mich hier. Das Foyer ist vollgestopft mit Antiquitäten. Leider sind auch alle Hotelzimmer belegt, aber es stellt sich heraus daß das Hotel auch als Herberge für den Jakobsweg fungiert. So kriege ich ein Bett im Schlafsaal bei den Pilgern vermittelt. Bis auf das ich mit 20 Leuten in einem Raum schlafen muß, finde ich die ganze Anlage toll. Duschen, WC alles sauber. Es gibt eine typisch spanische Café Bar, die nach dem Sachen abladen auch gleich mein erster Anlaufpunkt hier ist. Hier lassen sich es schon einige Pilger gut gehen. Am Tisch mir gegenüber sitzt ein freundlich lächelnder älterer Herr und irgendwie sind wir ratztfatz im Gespräch. Arturo ist ein fitter 70er Spanier, der aber schon seit 60 Jahren in Deutschland lebt. Er erzählt mir, das er schon mehrere Routen des Jakobswegs nach Santiago gelaufen ist. Die Nordroute am Atlantik ist die Schönste meint er, da hat es alles Berge und Meer. Wir sind sofort auf einer Wellenlänge und so rast die Zeit bei ein paar Cervezas schnell vorbei. Irgendwann gesellt sich noch ein Jens aus Münster zu uns und die gesellige Runde ist perfekt. Jens erzählt er hat jetzt 3 Monate Zeit für den Jakobsweg, am Anfang war er wohl mit einer schnellen Truppe unterwegs, die jeden Tag 30 km und mehr gelaufen sind, da mußte er sich aber ausklinken, jetzt läuft er maximal 15km am Tag und fühlt sich dabei sichtlich wohl. Gegen 19Uhr ziehen wir gemeinsam ins angrenzende Restaurant um. Hier gibt es ein Menü mit Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise und Rotwein ohne Mengenbeschränkung inklusive für 18€, irre. So sind schnell 2 Flaschen zum Menü geleert und wir haben alle einen richtig guten Abend. Kurz nach 21Uhr kehre ich in meinen Schlafsaal zurück. Hier ist schon alles dunkel und alles schläft. Vorsichtig schleiche ich zu meinem Bett. Mist mit Duschen wird das jetzt nichts mehr, um mein Zeug raus zu kramen, müßte ich viel zu viel Krach machen. Also verschiebe ich das auf morgen und versuche mit dem nächtlichen Konzert von 20 Mitbewohnern einzuschlafen.

11.Tag Mittwoch der 22. Mai

Kurz nach 7 Uhr wache ich auf. Der Schlafsaal ist schon fast leer. Alle weg, schon unterwegs. Ich hole erstmal die gestern verpaßte Hygiene nach. Beim anschließenden Frühstück im Café treffe ich dann Jens wieder. Gibt also doch noch Pilger mit keiner so frühen Bettflucht. Wir wünschen uns noch gegenseitig eine schöne Zeit und jeder tritt seine eigene Reise weiter an. für mich geht's wieder auf die Landstraße, ich hab noch ca. 250 Höhenmeter bis zur Passhöhe bei 1150m NN. Aber die sind eklig, mein Seitenstreifen schmilzt auf 50 cm zusammen und an mir donnern die 40Tooner nur so vorbei. Die Steigungen sind gar nicht so schlimm, aber ich kriege durch die LKW die so nah an mir vorbeiziehen einfach keinen Rhythmus. Nach geschaffter Passhöhe wird's nicht viel besser. Jetzt krachen mir bei der Abfahrt von vorn heftige eiskalte Windböen ins Rad. Ich versuche krampfhaft mein Rad auf dem schmalen Randstreifen zu halten. Kurz vor Burgos kann ich dann endlich runter von dieser verfluchten Straße und fahre etwas südlich von Burgos auf aufgeweichten Kieswegen weiter Richtung Stadt. Ca. 4km vor dem Stadtzentrum finde ich einen Campingplatz im Grünen. Für die nächsten 2 Nächte buche ich mir einen Bungalow, das brauche ich jetzt. Im Bungalow schalte ich erstmal die Klimaanlage auf über 20 Grad.

12.Tag Donnerstag der 23. Mai

Es geht nach Burgos heute zur Stadtbesichtigung. Bis auf die Kameraausrüstung bleibt mein Gepäck im Bungalow. Irre wie leicht das auf einmal rollt. Die 4km ins Stadtinnere sind angenehm zu fahren, ich bin hier im grünen Gürtel südlich der Stadt. Vor der Kathedrale habe ich den ersten Wow Effekt heute. Was für ein irres Bauwerk. Für 10€ kaufe ich mir die Berechtigungskarte das Ganze mir auch von innen anschauen zu dürfen. Unbedingt anschauen, wenn man mal hier ist. Ich bin im Fotomodus. Nach dem ersten Rundgang mit dem Fotoapparat, laufe ich das Ganze nochmal mit der 360Grad Kamera ab. Ich kann's nicht mit Worten ausdrücken, der Prunk, die gewaltigen Räume mit ihren Buntglasfenstern und all dem in Stein gehauenen Kunsthandwerk lassen einen schon ehrfürchtig zurück. Danach geht's erstmal zum Castel hoch, welches leider, scheinbar wegen Bauarbeiten, geschlossen ist. Aber man hat trotzdem einen schönen Blick von hier auf die Stadt und die Kathedrale. Unten in der Stadt gefällt mir besonders der Streifen am Fluss entlang. Eine kleine Oase im Stadtgewirr. So laufe ich hier eine Baumallee entlang, die Bäume bilden ein komplettes grünes Dach über einem. Etwas weiter sind Bäume zu kleinen Kunstwerken beschnitten, immer wieder mit Statuen am Wegesrand. Ich fühl mich wohl in der Stadt, zu mal heute ist der erste Tag komplett ohne Regen.

Montag, 20. Mai 2024

Tag 7 bis Tag 9

7.Tag Samstag der 18. Mai

Heute ist Fahrrad-Ruhetag. Ich hab mich mit meiner Nichte Nele verabredet. Die ist seit fast einem Jahr jetzt schon in Spanien als Au-Pair. Ich hol sie früh am Busbahnhof hier ab, wo sie aus Vitoria extra rüberkommt. Ich freu mich riesig. Und der Tag wird auch echt schön. Gemeinsam geht's an der Strandpromenade entlang und durch die Altstadt von San Sebastian. Das ist schon cool, wenn man eine spanisch sprechende Ortskundige an der Seite hat. So kriege ich eine Einführung in die hiesigen Spezialitäten. Pinchzos kann ich sehr empfehlen. Am späten Nachmittag geht's dann mit dem Bus rüber nach Vitoria. Was uns allerdings viel Überredungskünste kostet, das der Busfahrer mein Fahrrad akzeptiert, aber Dank Nele klappt das wunderbar. Für mich geht's dann gegen Abend auf den örtlichen Camping in Vitoria und Nele kehrt zu ihrer Gastfamilie hier zurück. Im Regen baue ich mein Zelt hier auf. Der Campingplatz ist sehr einfach, aber es gibt eine Kneipe, wo die Megafete läuft und mit viel spanischer Lautstärke ist das schlechte Wetter draußen schnell weg geblasen und nach 2 Cervezas hab ich die nötige Bettschwere.

8.Tag Sonntag der 19. Mai

Früh geht's wieder nach Vitoria rein. Ich hab mich mit Nele verabredet für eine Stadtbesichtigung. Vitoria hat eine schöne Innenstadt mit Gäßchen mit vielen Cafés und Bars. Was mir besonders gefällt sind die super ausgebauten Fahrradwegen durch die Stadt, obwohl kaum Fahrradfahrer unterwegs sind. Schon komisch in Deutschland ist die Fahrradführung in Städten extrem viel schlechter als hier, obwohl es viel mehr Fahrradfahrer in Deutschland gibt. Ansonsten genießen wir den Tag am Plaza de Espana, wo nachmittags eine baskische Trachtentruppe einzieht und Tänze aufführt. Es ist extrem viel los auf der Plaza, hier tummelt sich jung neben alt und man kann das Leben bei spanischen Leckereien genießen. Gegen Abend geht's für mich wieder gen Campingplatz und es regnet mal wieder. Irre das Wetter hier, das wechselt so schnell. Morgen geht's dann wieder auf Tour gen Burgos.

9.Tag Montag der 20. Mai

Es hat die ganze Nacht wieder geregnet. Am frühen Morgen packe ich das nasse Zelt und all meine Klamotten zusammen. Ca. 1 Stunde dauert das immer, bis wieder alles am Fahrrad verstaut ist. Danach geht es erstmal auf Frühstückssuche ein Stück nach Vitoria rein. Ich werde aber schnell an einem Café fündig. Das spanische Frühstück gefällt mir viel besser als die süsse französiche Variante. Hier gibt's deftige Sachen, das gefällt mir sehr gut, ich brauche Energie für den Tag. Und die Preise sind super, für 8€ gibt's Kaffee, Orangensaft und 3 leckere belegte Brötchen nach Wahl. Die Tour führt mich heute über 2 Passhöhen bei ca. 900m. Das schlaucht ganz schön hier in den Bergen. Nach der 2. Passhöhe blicke ich plötzlich in ein weites Tal ca 500m unter mir. Eine irre Aussicht. Man kann von hier aus genau beobachten wo es da unten gerade regnet. Leider auch in der Richtung, in die ich muß. Das Wetter ist echt miserabel im Moment, Tagestemperaturen sind auf 12Grad abgesackt, nachts geht's fast bis auf Frostgrade runter. Ich komme mir vor als würde ich im Herbst durch Norwegen radeln und nicht durch Spanien. Die Abfahrt ins Tal beschert mir 2 Begegnungen der besonderen Art, zuerst springen 2 Bergziegen vor mir über die Straße und wenig später kommt mir auf meiner Fahrspur ein LKW um die Ecke entgegengeschossen, wenn ich was größeres als ein Fahrrad fahren würde, häts jetzt geknallt. Nach 50km ist heute in Haro Schluß für mich, zu kalt, zu viel Regen und so checke ich per booking.com in ein Hotel hier ein. Wenn ich gewußt hätte was mich daraufhin erwartet, hätte ich lieber auf dem Campingplatz gefroren. Erstmal warte ich vor dem verschlossenen Hotel 15min, scheint gerade niemand da zu sein. Dann werde ich unruhig und suche den Eingang ab, da sind mehrere Panels mit Zahlen und ein Knopf, auf einem Panel, sieht aus wie eine Klingel, also drücke ich da ganz forsch drauf. Nach mehreren automatischen spanischen Ansagen meldet sich tatsächlich jemand. Ich versuche mich auf Englisch verständlich zu machen, das ich hier ein Zimmer gebucht habe. Scheint zu funktionieren, die Tür geht auf. Ich komme in einen Raum, wo ich 2 Gäste sehe, die sich mit einem Bildschirm unterhalten. Mir schwant böses. Kaum sind die beiden Gäste weg, plopt der Bildschirm wieder auf und ich sehe eine ältere Dame, die sich irgendwo am anderen Ende der Milchstraße befinden könnte. Jetzt bin ich wohl dran und ich versuche der Dame am Ende der Milchstraße wieder auf Englisch zu erklären, das ich hier auf dem Planeten Erde in diesem kleinen Hotel ein Zimmer gebucht hätte. Ja sagt die Dame, aber ich muß erst bezahlen. Ja sage ich das würde ich ja gerne, aber ich kriege meinen 50€ Schein nicht durch die Mattscheibe geschoben. Ja sagt die Dame, sie schickt mir einen Link, da kann ich dann bezahlen. Dann verabschiedet sich die Dame und plom krieg ich irgendwo aus den Weiten der Milchstraße einen Link auf mein Smartphone. Jetzt ist es an mir zu beweisen das wir Erdenbürger doch ein bißchen Technikaffin sind und irgendwie schaffe ich die Transaktion ins nirgendwo. Der Bildschirm ist wieder tot, also begebe ich mich wieder vor die Eingangstür zu dem Panel mit dem Klingelschalter und melde mich dort wieder, ich habe gebucht, ich habe bezahlt, bitte bitte laßt mich wieder rein. Plom die Tür geht auf. Drinnen plopt der Bildschirm wieder auf mit einer neuen älteren Dame aus einem noch ganz anderen Ende der Galaxis. Ich erkläre wieder auf Englisch ich habe gebucht ich habe bezahlt, was jetzt. Ja sagt die neue Dame jetzt registrieren wir sie. Wo frage ich, auf Alpha Centauri? Nein sagt die Dame, ich brauche ihre Passport Daten. OK also sende ich die auch noch ans Ende der Milchstraße. Beim Buchstabieren meiner Daten kriegen wir beim H Probleme, “Aetsch” sage ich. Aetsch wie Phone fragt die Name, No sage ich “Aetsch* wie Harald. Harald?, die Dame. Gott verdammt, wieso kennen die am Ende der Milchstraße nicht Otto, kennt doch jeder. Wir einigen uns auf Hotel. Endlich kriege im Austausch für meine Identität, Zimmernummer und Zugangscode (laßt mich den um Himmels Willen richtig verstanden haben, die sprechen am Ende der Milchstraße so ein komisches Englisch). Ich hab noch ein Problem sage ich, ich brauche noch einen sicheren Platz für mein Fahrrad. Oh sagt die Dame, dafür ist das andere Ende der Milchstraße zuständig, ich solle mich setzen und auf weitere Anweisungen warten. Plom Bildschirm dunkel. 10min später ein Anruf auf meinem Handy, ich bin irritiert, kein Bildschirm diesmal? OK ich hebe ab, eine neue Dame am Telefon erklärt mir, sie löst jetzt mein Problem mit dem Fahrrad und schickt mich auf Englisch kreuz und quer durchs Hotel bis ich vor einer bestimmten verschlossenen Tür stehe, die plötzlich, wie von Zauberhand aufspringt. Da ist der Platz für ihr Fahrrad sagt Dame Nummer 3. Danke sage ich sprachlos, auch wenn es mir morgen schon vor der Prozedur graut, mein Fahrrad wieder da raus zu bekommen Nach geschlagenen 2 Stunden sitze ich endlich in meinem Zimmer und breite erstmal all meine nassen und dreckigen Zeltsachen im Zimmer aus. Ich wär ja gespannt, wie die das Zimmer dann morgen wieder trocken und sauber kriegen vom anderen Ende der Milchstraße. Ich habe fertig für heute.



Freitag, 17. Mai 2024

Tag 1 bis Tag 6

1.Tag Sonntag der 12. Mai

Es geht los. Heute erstmal mit dem Zug nur bis Straßburg. In weiser Voraussicht fahre ich früh schon mit einem Zug früher nach Erfurt um meinen ICE nach Offenburg zu erreichen. In Erfurt erreicht mich dann auch prompt die Nachricht meiner Bahnapp das mein vormals geplanter Zug aus Weimar Verspätung hat und ich meinen ICE nicht mehr erreiche und sämtliche Zugbindungen für mich aufgehoben sind. Ich solle mir doch eine neue Zugverbindung aussuchen. Diese Meldung in der Bahnapp ist so nervig im Weg, das ich Schwierigkeiten hab auf meine Fahrkarte in der App zuzugreifen. Verdammt nein ich hab meinen ICE geschafft und brauche keine neue Verbindung. Irgendwie schaffe ich es dann doch noch auf meine Fahrkarte wieder zugreifen zu können. Ab Frankfurt wird der Zug dann irre voll. In Offenburg kämpfe ich mich dann zusammen mit einem anderen Radler aus dem überfüllten Zug, gemeinsam entwickeln wir einen Schlachtplan, wie wir unsere Räder aus dem Gedränge befreien. So lerne ich Gerold kennen. Gerold will, wie ich auch erstmal weiter nach Straßburg. Er ist ein topfitter 69jähriger Reiseradler. Ich liebe solche Zufalls Bekanntschaften, wo man sofort auf einer Wellenlänge ist. So tauschen wir schnell Storys aus alten Touren aus. Als ich ihm erzähle, das es nochmal ein Traum wäre durch Amerika zu rollen, ich mir das aber allein nicht so Recht traue, erzählt er mir das er nächstes Jahr für 3 Monate dorthin will. Er meldet sich nochmal, wenn ich Interesse habe. In Straßburg trennen sich unsere Wege. Er will nach Nantes und dort seine Tour starten und für mich geht's morgen nach Bordeaux. Die Unterkunft Hotel Patricia ist schnell gefunden. Danach geht's nochmal auf Besichtigungstour durch Straßburg. Die verwinkelten Gäßchen sind sehr sehenswert mit den alten Fachwerkhäusern und mittendrin ragt plötzlich der Straßburger Münster empor. Das ist schon immer irre vor solchen Bauwerken zu stehen. In Stein gehauene Geschichte. Nach einem kühlen Radler ist dann Feierabend für mich heute.

2.Tag Montag der 13. Mai

Irgendwie bin ich früh immer noch ziemlich aufgeregt, regelrechtes Lampenfieber ob auf der Reise auch alles klappt, es wird Zeit das ich auf dem Rad sitze.
14 Uhr geht's heute mit dem TGV weiter nach Bordeaux. Kurz vor 21 Uhr komme ich an und Bordeaux empfängt mich mit einem wahren Platzregen. Bis zu meiner Unterkunft sind's eigentlich nur 3km. Aber leider liegt die in einem verwinkelten Gewerbegebiet und Navigation ist bei dem Platzregen kaum möglich, Mir springen durch die Regentropfen reihenweise die Apps auf dem Bildschirm auf. Aber nach 2mal ums Carre fahren hab ich's dann geschafft und bin endlich im Trockenen.


3.Tag Diensttag der 14. Mai

Es regnet ohne Unterlaß. Also geht's unter Vollschutz nach Bordeaux rein zur schnellen Stadtbesichtigung. Das macht bei dem Wetter aber überhaupt keinen Spass. So geht's dann um 11Uhr auf Strecke. Die ersten 50km sind scheußlich. Ich fahre zwar großteils auf Fahrradwegen aber neben sehr befahrenen Landstraßen immer in Richtung Atlantik. Es regnet, es regnet nicht, es regnet, Regenklamotten an, Regenklamotten aus und wieder an. Wenn ich die Regenklamotten ausziehe kann ich drauf warten das der Regen gleich wieder anfängt. Also behalte ich sie schließlich an, scheint zu wirken, kein Regen mehr 😀. Am Atlantik angekommen, gibt's die größte Wanderdüne Europas zu bestaunen und ein paar km weiter hab ich dann auch freie Sicht auf den Atlantik. Jetzt wirds richtig schön, das Wetter paßt auch endlich. Es geht durch.urige Pinienwälder abseits von Straßen. Nach 90 km ist dann Schluß, ich finde einen Campingplatz und kriege meine wohlverdienten Dusche.

4.Tag Mittwoch der 15. Mai

Es geht weiter gen Süden. Viel passiert heute nicht, ich mach Strecke. Viel durch Pinienwälder wieder, echt schön. Am Ende des Tages hab ich heute über 100km abgerissen. Eigentlich sollten es nicht soviel werden, aber der Campingplatz den ich mir ausgesucht hatte, stellt sich als Nudistencamping für Mitglieder heraus. Da helfen auch keine Beteuerungen das ich nichts gegen Nudisten habe und eigentlich auch nur schlafen will. Also mußich noch 10km weiter und ich komme wie immer nach 19Uhr an, heißt Rezeption und alles zu. Egal einen Platz zum Schlafen finde ich und eine Pizzeria ist auch gleich um die Ecke, mehr brauch ich gar nicht.

5.Tag Donnerstag der 16. Mai

Der erste Teil der Strecke verläuft wieder angenehm flach teils durch Pinenwälder oder auf Straßen begleitenden Radwegen, Die Radwegführung an den Straßen finde ich hier echt gut und übersichtlich. Dann geht's durch städtisches Gebiet, Bayonne, Angler und schließlich Biarritz. Das geht alles nahtlos ineinander über und ist zu Fahrradfahren nervig, viel Verkehr, viele Abgase. Aber Biarritz ist echt mondän. Hier an der Strandpromenade lang zu fahren ist schon beeindruckend. Der schäumende Atlantik, schwarze Felsen und eine schicke Strandpromenade. Mit flach ist spätestens jetzt Schluß. Der Weg ist ein einziges Auf und Ab mit teilweise irren Steigungen. So ist kurz nach Biarritz dann auch Schluß heute und ich suche mir einen netten Campingplatz und da es geradeal 18 Uhr ist hat die Rezeption auf und ich kann ganz legal einchecken. Abendbrot gibt's heute in einem kleinen Restaurant mit Blick auf den Atlantik, auja so kann man sich das gefallen lassen.

6.Tag Freitag der 17. Mai

Es werden nur 50km heute, aber die haben es in sich. Die Strecke an der Küste ist schön und anstrengend. Ein ständiges auf und ab. Ab Hendaya dann nur noch auf, willkommen in den Pyrenäen. Am Anfang mit irren Steigungen über 15 %. Es ist schieben angesagt, mit dem ganzen Gepäck ist da nix mehr mit fahren. Die Fußgänger die mir entgegen kommen grüßen mich grinsend mit dem Daumen nach oben. Aber ich werde mit einem grandiosen Ausblick auf Hendaya und den Atlantik belohnt. Glücklicherweise geht's dann etwas flacher mit 8-12% weiter, immerhin fahrbar. Auf dem Gipfel bin ich schweißüberströmt. Zu allem Überfluß empfängt mich Spanien mit einem wahren Platzregen. So geht's mit Regenklamotten abwärts nach San Sebastian. Leider ist kein Regenende abzusehen, so buche ich unterwegs ein Hotel in San Sebastian und wurschtle mich durch das Straßengewirr in Richtung Hotel. Das wird eine schnelle Stadtbesichtigung auf der Durchreise. Was ich von San Sebastian sehe ist bei besserem Wetter bestimmt superschön, aber ich will im Moment nur ins Trockene. Und es ist wie meist hier, kaum komme ich am Hotel an, hört der Regen auf und die Sonne kommt raus. 

Tag 46 bis Tag 49

  46.Tag Mittwoch der 26.Juni Die letzte kleine Radtour steht heute an. Aber frühs geht's erst nochmal ins Meer, besser kann man den Tag...