Freitag, 24. Mai 2024

Tag 10 bis Tag 12

10.Tag Dienstag der 21. Mai

Es geht weiter bei sehr durchwachsenem Wetter. Heute geht es ständig bergan mit sehr geringem Steigungen, aber man hat ständig das Gefühl, es hält einen hinten jemand fest, da die Steigungen visuell kaum wahrnehmbar sind. Erst geht es entlang einsamer Landstraßen und irgendwann stoße ich dann auf den Jakobsweg. An einer Raststätte am Wegesrand sehe ich die Pilger nacheinander vorbeiziehen, da ist alles vertreten, jung, alt, sportlich, hüftlahm. Eigentlich ist ein Teil meines weiteren geplanten Weges identisch mit dem Jakobsweg. Aber stetig bergan habe ich keine Lust auf diese Schotterpiste und dann noch ständig Pilger umrunden. Also weiche ich auf die Landstraße aus. Auf Asphalt rollt es sich doch deutlich besser. Hat den Nachteil, hier rollt ein 40Tonner nach dem anderen an mir vorbei. Irre was los auf der Straße. Zum Glück habe ich einen 1 Meter breiten Seitenstreifen für mich, aber Spaß macht das so natürlich nicht. Bis Villafranca komme ich, die erste Herberge ist schon voll belegt. Also ziehe ich weiter zum Hotel auf dem Hügel. Eine sehr beeindruckende mittelalterliche Anlage erwartet mich hier. Das Foyer ist vollgestopft mit Antiquitäten. Leider sind auch alle Hotelzimmer belegt, aber es stellt sich heraus daß das Hotel auch als Herberge für den Jakobsweg fungiert. So kriege ich ein Bett im Schlafsaal bei den Pilgern vermittelt. Bis auf das ich mit 20 Leuten in einem Raum schlafen muß, finde ich die ganze Anlage toll. Duschen, WC alles sauber. Es gibt eine typisch spanische Café Bar, die nach dem Sachen abladen auch gleich mein erster Anlaufpunkt hier ist. Hier lassen sich es schon einige Pilger gut gehen. Am Tisch mir gegenüber sitzt ein freundlich lächelnder älterer Herr und irgendwie sind wir ratztfatz im Gespräch. Arturo ist ein fitter 70er Spanier, der aber schon seit 60 Jahren in Deutschland lebt. Er erzählt mir, das er schon mehrere Routen des Jakobswegs nach Santiago gelaufen ist. Die Nordroute am Atlantik ist die Schönste meint er, da hat es alles Berge und Meer. Wir sind sofort auf einer Wellenlänge und so rast die Zeit bei ein paar Cervezas schnell vorbei. Irgendwann gesellt sich noch ein Jens aus Münster zu uns und die gesellige Runde ist perfekt. Jens erzählt er hat jetzt 3 Monate Zeit für den Jakobsweg, am Anfang war er wohl mit einer schnellen Truppe unterwegs, die jeden Tag 30 km und mehr gelaufen sind, da mußte er sich aber ausklinken, jetzt läuft er maximal 15km am Tag und fühlt sich dabei sichtlich wohl. Gegen 19Uhr ziehen wir gemeinsam ins angrenzende Restaurant um. Hier gibt es ein Menü mit Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise und Rotwein ohne Mengenbeschränkung inklusive für 18€, irre. So sind schnell 2 Flaschen zum Menü geleert und wir haben alle einen richtig guten Abend. Kurz nach 21Uhr kehre ich in meinen Schlafsaal zurück. Hier ist schon alles dunkel und alles schläft. Vorsichtig schleiche ich zu meinem Bett. Mist mit Duschen wird das jetzt nichts mehr, um mein Zeug raus zu kramen, müßte ich viel zu viel Krach machen. Also verschiebe ich das auf morgen und versuche mit dem nächtlichen Konzert von 20 Mitbewohnern einzuschlafen.

11.Tag Mittwoch der 22. Mai

Kurz nach 7 Uhr wache ich auf. Der Schlafsaal ist schon fast leer. Alle weg, schon unterwegs. Ich hole erstmal die gestern verpaßte Hygiene nach. Beim anschließenden Frühstück im Café treffe ich dann Jens wieder. Gibt also doch noch Pilger mit keiner so frühen Bettflucht. Wir wünschen uns noch gegenseitig eine schöne Zeit und jeder tritt seine eigene Reise weiter an. für mich geht's wieder auf die Landstraße, ich hab noch ca. 250 Höhenmeter bis zur Passhöhe bei 1150m NN. Aber die sind eklig, mein Seitenstreifen schmilzt auf 50 cm zusammen und an mir donnern die 40Tooner nur so vorbei. Die Steigungen sind gar nicht so schlimm, aber ich kriege durch die LKW die so nah an mir vorbeiziehen einfach keinen Rhythmus. Nach geschaffter Passhöhe wird's nicht viel besser. Jetzt krachen mir bei der Abfahrt von vorn heftige eiskalte Windböen ins Rad. Ich versuche krampfhaft mein Rad auf dem schmalen Randstreifen zu halten. Kurz vor Burgos kann ich dann endlich runter von dieser verfluchten Straße und fahre etwas südlich von Burgos auf aufgeweichten Kieswegen weiter Richtung Stadt. Ca. 4km vor dem Stadtzentrum finde ich einen Campingplatz im Grünen. Für die nächsten 2 Nächte buche ich mir einen Bungalow, das brauche ich jetzt. Im Bungalow schalte ich erstmal die Klimaanlage auf über 20 Grad.

12.Tag Donnerstag der 23. Mai

Es geht nach Burgos heute zur Stadtbesichtigung. Bis auf die Kameraausrüstung bleibt mein Gepäck im Bungalow. Irre wie leicht das auf einmal rollt. Die 4km ins Stadtinnere sind angenehm zu fahren, ich bin hier im grünen Gürtel südlich der Stadt. Vor der Kathedrale habe ich den ersten Wow Effekt heute. Was für ein irres Bauwerk. Für 10€ kaufe ich mir die Berechtigungskarte das Ganze mir auch von innen anschauen zu dürfen. Unbedingt anschauen, wenn man mal hier ist. Ich bin im Fotomodus. Nach dem ersten Rundgang mit dem Fotoapparat, laufe ich das Ganze nochmal mit der 360Grad Kamera ab. Ich kann's nicht mit Worten ausdrücken, der Prunk, die gewaltigen Räume mit ihren Buntglasfenstern und all dem in Stein gehauenen Kunsthandwerk lassen einen schon ehrfürchtig zurück. Danach geht's erstmal zum Castel hoch, welches leider, scheinbar wegen Bauarbeiten, geschlossen ist. Aber man hat trotzdem einen schönen Blick von hier auf die Stadt und die Kathedrale. Unten in der Stadt gefällt mir besonders der Streifen am Fluss entlang. Eine kleine Oase im Stadtgewirr. So laufe ich hier eine Baumallee entlang, die Bäume bilden ein komplettes grünes Dach über einem. Etwas weiter sind Bäume zu kleinen Kunstwerken beschnitten, immer wieder mit Statuen am Wegesrand. Ich fühl mich wohl in der Stadt, zu mal heute ist der erste Tag komplett ohne Regen.

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