Samstag, 1. Juni 2024

Tag 19 bis Tag 21

19.Tag Donnerstag der 30. Mai

Ich entschließe mich frühs, nicht die Outdoor Route, die dem EV1 entspricht zu nehmen. Zu viele Höhenmeter heute, das ist im Gelände mit meinem Gepäck zu anstrengend. Also folge ich wieder Mal der Landstraße N630, die die Autobahn begleitet. Gute Entscheidung, die Steigungen sind gar nicht so schlimm, aber die Sonne brennt mittlerweile bei über 30 Grad gnadenlos, Schatten Fehlanzeige. Ich fahre immer noch mit Softshelljacke um meine eh schon verbrannten Arme zu schützen. Unter der Jacke ist Sauna angesagt. Am Horizont sehe ich eine Bergkette, Die Gipfel scheinen teilweise noch Schnee zu haben. Da muß ich hin heute. Ich halte an fast jeder Bar an der Strecke um eiskalte Cervezas Con Limo zu tanken, mein Treibstoff heute. Das Wasser in meinen Wasserflaschen hat seit Mittag fast genug Temperatur um Tee auf zu gießen. 2 Pässe gibt's zu überwinden, einer bei knapp 1100m NN und zum Ende der Tour muß ich mich nochmal auf eine Passhöhe von 1200m NN hochschrauben. Ich bin wieder im gebirgigen Teil Spaniens, die Sierra de Gredos. Nach 80km und fast 1000 Höhenmetern komme ich dann schon ziemlich ausgelaugt in Bejar an. Ich miete mir in einem Hostel (Jugendherberge) ein Zimmer und gehe nochmal auf kurze Stadterkundung und Essensbeschaffung. Die alten Gäßchen der Innenstadt sind ziemlich heruntergekommen. Zwischen den Häusern sind Tücher zum Sonnenschutz aufgespannt. Trotz oder auch wegen des Verfalls haben die Gassen ihren Charme. Zentral gelegen gibt es einen Park, in dem sich abends das bunte Leben wieder abspielt. Das mag ich so an Spanien. Die Kinder spielen hier, die Eltern sitzen daneben im Café und die Alten sitzen auf den Parkbänken und.spielen Karten. 

20.Tag Freitag der 31. Mai

Es geht wieder ins spanische Outback heute. Es gibt hier eine Via Verde, das ist eine stillgelegte und als Rad- und Wanderweg umgebaute Eisenbahntrasse. Diese hier heißt Via Verde de la Plata und führt direkt von Bejar nach Plasencia, meinem Ziel heute. Knapp über 60 km und es geht meist abwärts, zum Genießen heute. Die Strecke ist superschön und einfach zu fahren, es wechseln ständig Abschnitte mit Durchfahrten zwischen Felshängen, schattige Abschniite zwischen Bäumen und immer wieder schöne Ausblicke auf die Bergwelt. Am Wegesrand blüht es in rot, weiß, gelb und lila. Einfach nur schön. Ab mittags drückt die Sonne wieder, bis jetzt waren noch Mountainbiker und E-Bikes hier unterwegs, jetzt habe ich die Strecke für mich allein. Die Spanier verziehen sich und tauchen dann erst abends wieder auf. Nur noch dumme Nordeuropäer sind jetzt unterwegs. In Plasencia komme ich ca. 16Uhr an. Irgendwie bin ich hier im Slum Viertel gelandet. Ich halte zur Orientierung, überall liegt hier Müll. Aus einer Ecke ruft mir eine dubiose Gestalt zu: Amsterdam. No Aleman, rufe ich und mache mich schnell weiter. Amsterdam, Amsterdam höre ich noch hinter mir rufen. Ich biege erstmal schnell links ab. 2 Frauen sitzen am Straßenrand und bedeuten mir, hier geht's nicht weiter. Oh Sackgasse, in eine Sackgasse will ich ja hier wirklich nicht geraten. Also zurück nach Amsterdam. Ich finde endlich meinen Weg aus dem verwahrlosten Viertel und navigiere zu der Albergue, die ich mir ausgesucht hatte für heute. Die Albergue ist zu und bei den beiden Telefonnummern die an der Tür stehen, geht keiner ran. Irgendwie sieht ein Mann in den 40-ern meine Ratlosigkeit und kommt auf mich zu. Er versucht die Besitzer der Albergue zu kontaktieren und hat nach mehreren Versuchen Erfolg, erfährt aber nur, das die Albergue diese Woche zu hat. Toll. Der Mann stellt sich als Carlos vor und ist irre hilfsbereit. Er führt mich wie selbstverständlich auf Unterkunftssuche durch die Innenstadt. Beim 2. Hostel klappt's dann und ich kriege das letzte freie Zimmer im Dachgeschoß. Ich gebe Carlos meine Visitenkarte, falls er jemals in Deutschland ist, würde ich mich gerne revanchieren. Gegen Abend ziehe ich nochmal durch die Innenstadt Die alte Stadtmauer scheint noch großteils erhalten. Die Altstadt besteht aus einem Gassen Gewirr, die alle irgendwie auf dem Plaza Mayor enden, auf dem sich das Leben hier abends abspielt. Ich besuche noch die alte Kathedrale und lasse den Abend dann mit 2 kühlen Cervezas an der Stadtmauer abseits des Trubels ausklingen.

21.Tag Samstag der 01. Juni

Ich hole früh mein Fahrrad aus der Garage des Hostels und Stelle fest, ich habe vorne einen Platten. Ich pumppe perst mal Luft auf, scheint erst mal zu halten. Nach Frühstück im Café am Plaza Mayor, geht's zum nächsten Fahrradladen, ich brauche einen Schlauch, die mühselige Suche nach der undichten Stelle will ich mir sparen. Mein Vorderrad verliert nur langsam Luft, so schaffe ich es noch zum Fahrradladen. 10Uhr macht er auf, steht draußen dran. Also warten. Um 10:30 kommt dann endlich jemand. Man braucht Geduld in Spanien. Den Schlauch zu wechseln ist mühselig, der neue Reifen sitzt noch ziemlich stramm auf der Felge. Auch die spanischen Schläuche sind anders als die deutschen, es gibt keine Arretierung des Ventils mit Schraube an der Felge. Das Ventil muß ich mit Kraft durch die Öffnung in der Felge pressen, auf die Gefahr hin den Schlauch so gleich zu zerstören. Aber 11 Uhr bin ich dann startklar. Ziemlich spät, so komme ich gleich in die Hitze des Tages. Also statte ich dem Bahnhof gleich nebenan einen Besuch ab, eine Tagestour im Zug würde mir auch ganz gut tun. Am Fahrkartenschalter erklärt man mir aber zum Samstag mit Fahrrad ist es völlig unmöglich mit dem Zug mit zu kommen, vielleicht morgen. Naja war einen Versuch wert. Also schwinge ich mich doch auf mein Rad und ziehe los. Wieder großteils auf meiner Landstraße N630. Die ersten 20 km ist ziemlich viel Verkehr auf der Landstraße, aber ich hab ja zum Glück meinen 1 Meter breiten Seitenstreifen. Unterwegs treffe ich einen Radler aus Holland, der aber nicht sehr gesprächswillig ist. Also geht's weiter und nach der nächsten Passhöhe habe ich ihn weit hinter mir gelassen, habens halt nicht so mit den Bergen die Holländer. Dann geht's mit einer Schußfahrt ins Tal, 50km/h nicht schlecht, so könnte es weiter gehen. Die Landschaft ändert sich merklich. Kaum noch Bäume auf den Hügel ringsum, nur noch Strauchwerk und Goldgelb leuchtendes Gras. Schatten ist ab jetzt komplett Fehlanzeige und ich muß den Rest der Strecke wieder bergauf. Das wird eine absolute Qual ab jetzt. Der nächste Ort ist 40 km weg, meine Trinkflaschen sind brühwarm und ich schleppe mich durch die gleißende Sonne. Irgendwann taucht ein größerer Strauch am Straßenrand auf, der etwas Schatten spendet. Ich schmeiße mich darunter und kühle erst mal kurz runter. Nach 40 km taucht dann wie eine Fata Morgana eine Tankstelle auf. Ich plündere das Kühlregal, erstmal ein Radler und das wird dann gleich mit einer eiskalten Cola gekontert. Jetzt geht's mir wieder gut und die restlichen 10km bis zum Campingplatz bin ich wieder Energie geladen. Der Campingplatz ist super, ich kriege einen überdachten Stellplatz mit eigener Dusche und Klo. Blöd ist nur das der Boden zementiert ist. Ich kriege die Zeltheringe mit Müh und Not 2cm in den Boden geschlagen, hoffentlich gibt's keinen Wind heute Nacht, dann fliegt mir das Zelt um die Ohren 

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