Es geht los. Heute erstmal mit dem Zug nur bis Straßburg. In weiser Voraussicht fahre ich früh schon mit einem Zug früher nach Erfurt um meinen ICE nach Offenburg zu erreichen. In Erfurt erreicht mich dann auch prompt die Nachricht meiner Bahnapp das mein vormals geplanter Zug aus Weimar Verspätung hat und ich meinen ICE nicht mehr erreiche und sämtliche Zugbindungen für mich aufgehoben sind. Ich solle mir doch eine neue Zugverbindung aussuchen. Diese Meldung in der Bahnapp ist so nervig im Weg, das ich Schwierigkeiten hab auf meine Fahrkarte in der App zuzugreifen. Verdammt nein ich hab meinen ICE geschafft und brauche keine neue Verbindung. Irgendwie schaffe ich es dann doch noch auf meine Fahrkarte wieder zugreifen zu können. Ab Frankfurt wird der Zug dann irre voll. In Offenburg kämpfe ich mich dann zusammen mit einem anderen Radler aus dem überfüllten Zug, gemeinsam entwickeln wir einen Schlachtplan, wie wir unsere Räder aus dem Gedränge befreien. So lerne ich Gerold kennen. Gerold will, wie ich auch erstmal weiter nach Straßburg. Er ist ein topfitter 69jähriger Reiseradler. Ich liebe solche Zufalls Bekanntschaften, wo man sofort auf einer Wellenlänge ist. So tauschen wir schnell Storys aus alten Touren aus. Als ich ihm erzähle, das es nochmal ein Traum wäre durch Amerika zu rollen, ich mir das aber allein nicht so Recht traue, erzählt er mir das er nächstes Jahr für 3 Monate dorthin will. Er meldet sich nochmal, wenn ich Interesse habe. In Straßburg trennen sich unsere Wege. Er will nach Nantes und dort seine Tour starten und für mich geht's morgen nach Bordeaux. Die Unterkunft Hotel Patricia ist schnell gefunden. Danach geht's nochmal auf Besichtigungstour durch Straßburg. Die verwinkelten Gäßchen sind sehr sehenswert mit den alten Fachwerkhäusern und mittendrin ragt plötzlich der Straßburger Münster empor. Das ist schon immer irre vor solchen Bauwerken zu stehen. In Stein gehauene Geschichte. Nach einem kühlen Radler ist dann Feierabend für mich heute.
2.Tag Montag der 13. Mai
Irgendwie bin ich früh immer noch ziemlich aufgeregt, regelrechtes Lampenfieber ob auf der Reise auch alles klappt, es wird Zeit das ich auf dem Rad sitze.
14 Uhr geht's heute mit dem TGV weiter nach Bordeaux. Kurz vor 21 Uhr komme ich an und Bordeaux empfängt mich mit einem wahren Platzregen. Bis zu meiner Unterkunft sind's eigentlich nur 3km. Aber leider liegt die in einem verwinkelten Gewerbegebiet und Navigation ist bei dem Platzregen kaum möglich, Mir springen durch die Regentropfen reihenweise die Apps auf dem Bildschirm auf. Aber nach 2mal ums Carre fahren hab ich's dann geschafft und bin endlich im Trockenen.
3.Tag Diensttag der 14. Mai
Es regnet ohne Unterlaß. Also geht's unter Vollschutz nach Bordeaux rein zur schnellen Stadtbesichtigung. Das macht bei dem Wetter aber überhaupt keinen Spass. So geht's dann um 11Uhr auf Strecke. Die ersten 50km sind scheußlich. Ich fahre zwar großteils auf Fahrradwegen aber neben sehr befahrenen Landstraßen immer in Richtung Atlantik. Es regnet, es regnet nicht, es regnet, Regenklamotten an, Regenklamotten aus und wieder an. Wenn ich die Regenklamotten ausziehe kann ich drauf warten das der Regen gleich wieder anfängt. Also behalte ich sie schließlich an, scheint zu wirken, kein Regen mehr 😀. Am Atlantik angekommen, gibt's die größte Wanderdüne Europas zu bestaunen und ein paar km weiter hab ich dann auch freie Sicht auf den Atlantik. Jetzt wirds richtig schön, das Wetter paßt auch endlich. Es geht durch.urige Pinienwälder abseits von Straßen. Nach 90 km ist dann Schluß, ich finde einen Campingplatz und kriege meine wohlverdienten Dusche.
4.Tag Mittwoch der 15. Mai
Es geht weiter gen Süden. Viel passiert heute nicht, ich mach Strecke. Viel durch Pinienwälder wieder, echt schön. Am Ende des Tages hab ich heute über 100km abgerissen. Eigentlich sollten es nicht soviel werden, aber der Campingplatz den ich mir ausgesucht hatte, stellt sich als Nudistencamping für Mitglieder heraus. Da helfen auch keine Beteuerungen das ich nichts gegen Nudisten habe und eigentlich auch nur schlafen will. Also mußich noch 10km weiter und ich komme wie immer nach 19Uhr an, heißt Rezeption und alles zu. Egal einen Platz zum Schlafen finde ich und eine Pizzeria ist auch gleich um die Ecke, mehr brauch ich gar nicht.
5.Tag Donnerstag der 16. Mai
Der erste Teil der Strecke verläuft wieder angenehm flach teils durch Pinenwälder oder auf Straßen begleitenden Radwegen, Die Radwegführung an den Straßen finde ich hier echt gut und übersichtlich. Dann geht's durch städtisches Gebiet, Bayonne, Angler und schließlich Biarritz. Das geht alles nahtlos ineinander über und ist zu Fahrradfahren nervig, viel Verkehr, viele Abgase. Aber Biarritz ist echt mondän. Hier an der Strandpromenade lang zu fahren ist schon beeindruckend. Der schäumende Atlantik, schwarze Felsen und eine schicke Strandpromenade. Mit flach ist spätestens jetzt Schluß. Der Weg ist ein einziges Auf und Ab mit teilweise irren Steigungen. So ist kurz nach Biarritz dann auch Schluß heute und ich suche mir einen netten Campingplatz und da es geradeal 18 Uhr ist hat die Rezeption auf und ich kann ganz legal einchecken. Abendbrot gibt's heute in einem kleinen Restaurant mit Blick auf den Atlantik, auja so kann man sich das gefallen lassen.
6.Tag Freitag der 17. Mai
Es werden nur 50km heute, aber die haben es in sich. Die Strecke an der Küste ist schön und anstrengend. Ein ständiges auf und ab. Ab Hendaya dann nur noch auf, willkommen in den Pyrenäen. Am Anfang mit irren Steigungen über 15 %. Es ist schieben angesagt, mit dem ganzen Gepäck ist da nix mehr mit fahren. Die Fußgänger die mir entgegen kommen grüßen mich grinsend mit dem Daumen nach oben. Aber ich werde mit einem grandiosen Ausblick auf Hendaya und den Atlantik belohnt. Glücklicherweise geht's dann etwas flacher mit 8-12% weiter, immerhin fahrbar. Auf dem Gipfel bin ich schweißüberströmt. Zu allem Überfluß empfängt mich Spanien mit einem wahren Platzregen. So geht's mit Regenklamotten abwärts nach San Sebastian. Leider ist kein Regenende abzusehen, so buche ich unterwegs ein Hotel in San Sebastian und wurschtle mich durch das Straßengewirr in Richtung Hotel. Das wird eine schnelle Stadtbesichtigung auf der Durchreise. Was ich von San Sebastian sehe ist bei besserem Wetter bestimmt superschön, aber ich will im Moment nur ins Trockene. Und es ist wie meist hier, kaum komme ich am Hotel an, hört der Regen auf und die Sonne kommt raus.
Das ist ja wie immer äußerst beeindruckend. Weiterhin gute Fahrt Matthias. LG Antje
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