Samstag, 29. Juni 2024

Tag 46 bis Tag 49

 

46.Tag Mittwoch der 26.Juni


Die letzte kleine Radtour steht heute an. Aber frühs geht's erst nochmal ins Meer, besser kann man den Tag nicht starten. Zeug zusammenpacken, nochmal ins Café zum Frühstück, es gibt Cafe Con leche, Zumo de Naranja und Tortilla. So geht's erst um 11 Uhr los, es sind aber auch nur 30km zu fahren. Es geht in Schleifen an der Küste entlang, immer wieder hoch und runter. Die Küstenstraße ist leider sehr befahren und großteils eng ohne Seitenstreifen, aber die Aussicht auf die Küste ist immer wieder super schön. Links geht's die Berge der Pyrenäen hoch, an deren Hang ich fahre und rechts kann ich auf das Meer runter schauen. Hinter Portbou muß ich mich nochmal einen kleinen Pass von 200 m hoch kämpfen und stehe oben dann schon auf französischem Boden. Ich mache nochmal Rast hier oben und schaue runter auf Port Bou und die spanische Küste. Zeit, Abschied zu nehmen von Spanien. Ein paar Kilometer habe ich noch zu machen. Es geht den Pass runter nach Cerbere, die Aussicht dabei ist wieder grandios. Ich fahre durch Cerbere durch und 5km weiter zu einem Campingplatz am Meer. Der Zeltplatz ist sehr einfach, aber schön gelegen. Ich campe am Hang unter schattigen Pinien mit Blick aufs Meer. Einen direkten Zugang zum Meer gibt's leider nicht. Ich bin oberhalb einer Felsenbucht. Am Campingplatz Imbiss habe ich heute so meine Schwierigkeiten. Aus Gewohnheit heraus bestelle ich alles auf spanisch, die halten mich schon für einen Spanier, bevor ich meinen Fehler bemerke und wieder mal den Übersetzer auf dem Handy bemühe. Abends sitze ich vor meinem Zelt und schaue aufs Meer hinaus. Irgendwo da hinten, wo Himmel und Meer am Horizont verschmelzen geht's in ferne Länder. Im Osten Italien, südlich nach Afrika. Wie muß das früher gewesen sein für die Menschen, wo noch nicht jeder Flecken Erde bekannt war und hinterm Horizont das Unbekannte wartete. Heute bilden wir uns ein, alles zu kennen. Aus Nachrichten und Medien haben wir ein Bild von Ländern, die wir nie bereist haben. Wir haben Schachteln mit verzerrten Bildern aus den Medien im Kopf. Für Spanien konnte ich ich meine Schachtel mit ein paar lebendigen Bildern und vor allem Menschen füllen. Danke an Arturo, Carlos, Tara und all die anderen Begegnungen, ihr habt Spanien für mich ein Gesicht gegeben. Ich weiß noch nicht, ob ich wiederkomme, die Welt ist groß und es gibt noch viel zu sehen, aber ich hatte eine großartige Zeit in Spanien, naja, gut ein bißchen kühler häts sein können 😀.




47.Tag Donnerstag der 27.Juni


Es geht nach Narbonne heute. Mein Zug fährt um 12:30 Uhr. So genieße ich den Morgen noch im Café in Cerbere und schaue auf den Hafen hinaus. Cerbere ist ein kleines Nest mit großem Bahnhof, einem kleinen Hafen mit Strand und ein paar Cafés, das war's schon.Mit dem Zug klappt alles problemlos, 14Uhr bin ich in Narbonne, einer hübschen kleinen Stadt mit Kathedrale und schönen kleinen Ecken. Nach Besichtigung geht's zum Campingplatz 7km vor der Stadt. Nach 20 min warten an der Rezeption, wird mir mitgeteilt, das der Herr vor mir gerade den letzten Zeltplatz gebucht hat. Ne, oder. Die Dame an der Rezeption meint, es gibt noch einen Campingplatz im Umkreis und gibt mir die Adresse. Ich gebe draußen die Adresse in mein Navi ein. Ne oder, das ist 80km weit weg, das ist kein näherer Umkreis für mich und mein Fahrrad. Also geht's mit dem Fahrrad nach Narbonne zurück. Wenigstens habe ich so noch ein bißchen Auslauf mit meinem Fahrrad gekriegt heute, sonst hätte mir auch was gefehlt  Ich buche mir ein Zimmer in Narbonne über booking.com und kriege daraufhin mehrere Benachrichtigungen. Erstmal muß ich bei irgendeinem Portal online eine Kaution hinterlegen, was macht man nicht alles für einen Schlafplatz. Dann kriege ich Nachrichten mit Anweisungen wie ich in meine neue Unterkunft gelange, mit Bildern wo eine Schlüsselbox hängt, wo der Eingang ist….. Mir wird schon wieder schlecht. Aber irgendwie finde ich dann die Schlüsselbox und kriege die mit einem Code geöffnet und finde auch den Eingang. Das Appartement ist ganz oben im 4.Stock. Die Schlüssel passen, geschafft. Für unter 30€ ein Schnäppchen, Küche mit Aufenthaltsbereich, Bad, 2 Balkone und mehrere Zimmer, eins davon meins. Nach mir trifft noch eine Engländerin ein, so teilen wir uns zu zweit das Appartement. Fehlt nur der Strandzugang, das Mittelmeer werde ich wohl jetzt nicht mehr sehen.


48.Tag Freitag der 28.Juni

Es geht in Etappen heimwärts. Heute geht's mit Nahverkehrszügen quer durch Frankreich bis in die Schweiz nach Genf Ich hoffe, ich komme mit meinem Fahrrad überall mit. 9 Uhr fährt mein erster Zug nach Avignon heute. In Narbonne, wo ich einsteige sind noch genügend Stellplätze vorhanden. Aber der Zug füllt sich unterwegs. Im Anschlußzug von Avignon nach Valence schaffe ich es auch noch mir einen Stellplatz zu sichern, aber das Fahrradaufkommen steigt unterwegs enorm. So sind bald alle Gänge mit Rädern zugestellt Im Zug komme ich mit einem französischen Pärchen, die den Rhone Radweg gefahren sind, ins Gespräch. Die Frau spricht ein wirklich gutes deutsch. Die Beiden müssen auch in Valence aus dem Zug, so entwickeln wir gemeinsam einen Schlachtplan wie wir unsere Räder aus dem Fahrradchaos hier rauskriegen. In Gemeinschaftsarbeit klappt das dann auch wieder hervorragend in Valence. Für mich geht's in Valence mit dem nächsten Zug weiter nach Genf. Als ich auf den Bahnsteig komme, sehe ich schon 30 Radler, die verzweifelt versuchen ihre Fahrräder im Zug unterzubringen. Es gibt nur ein Fahrradabteil und das ist schon gnadenlos überfüllt. Ich merke aber schnell, das der Zug bis auf die fehlenden Fahrradplätze eigentlich relativ leer ist und mach's mir einfach. Fahrrad in ein leeres Abteil rein geschoben und fertig. Die Schaffnerin lacht, scheint in Ordnung zu gehen so. In Genf komme ich kurz nach 17 Uhr an. Bis zum Campingplatz vor der Stadt sind es 8km, unterwegs kaufe ich mir noch eine Dose Ravioli fürs Abendbrot heute. Stolze 7,50€ kostet die hier. Den Campingplatz kenne ich schon von meiner Rhein/Rhone Tour mit Christoph. Er liegt direkt am Genfer See, so das ich morgen früh da nochmal schön reinspringen kann. Abends lerne ich noch eine französische Radlerin kennen, die nach mir ankommt und aus der Bretagne hierher geradelt ist und weiter bis nach Wien will 


49.Tag Samstag der 29.Juni

Frühs geht's erstmal schwimmen in den Genfer See. Besser kann man den Tag nicht starten. Mein Zug Richtung Heimat startet erst um 11:15 Uhr, so das ich mir Zeit lasse beim reinradeln nach Genf und öfters mal mich an die Seepromenade setze und dem bunten Treiben der vielen Menschen zuschaue. Heute brauche ich mir keinen Kopf zu machen, ob ich mein Fahrrad im Zug mitbekomme, alles Schnellzüge, die Fahrradstellplätze sind reserviert. Im ersten Zug lerne ich noch einen netten Schweizer Reiseradler kennen, der gerade von einer Tour in Frankreich heimkehrt. Er fährt das gleiche Fahrrad wie ich von ToutTerrain mit Pinion Schaltung. Wir tauschen uns über Touren aus und so kriege ich auch gleich einige Anregungen für eventuelle zukünftige Touren in der Schweiz und Frankreich. Im Austausch versorge ich ihn mit Infos über meine Kroatientour nach Dubrovnik, dorthin plant er seine nächste Tour. So verläuft der erste Teil der Heimreise recht kurzweilig. Die Bahn ist einigermaßen pünktlich, so bin ich nach zweimal umsteigen kurz nach 21 Uhr in Weimar. Schon komisch irgendwie nach 7 Wochen unterwegs sein, wieder in den Heimathafen einzurollen. Aber ich hab für die nächste Woche noch genug zu tun, Bilder und Videos bearbeiten und so die Reise nochmal zu Hause aufarbeiten. Spanien wird mich also noch ein Stück begleiten.



 

 weil es sonst keine Bilder von mir gab, hier noch mal ein Bild vom Radelnden:
 


Noch ein bißchen Statistik zum Schluß: Ich habe mehr als 2100 km mit dem Fahrrad zurückgelegt und dabei ca. 135 Stunden im Sattel gesessen. Dabei habe ich pro Tag ca. 200 Gramm Gewicht verloren, heißt ich habe 10kg abgespeckt 😀.



Dienstag, 25. Juni 2024

Tag 42 bis Tag 45

42.Tag Samstag der 22.Juni

Morgens geht's nochmal in die Gassen der Altstadt bei der alten Kathedrale. Die Gäßchen sind schon urig, man findet immer neue sehenswerte Ecken. Danach ist ein Besuch im Hospital angesagt. Nicht das ich krank bin, in dem Hospital wäre ich aber vielleicht ganz gern ein bißchen krank. Das Hospital San Pau wurde vom Architekten Luis Domenech entworfen, einem Zeitgenossen Gaudis. Es ähnelt eher einem Palast, eine wirklich schöne Anlage im Jugendstil. Danach geht's dann zum Park Güell, diesmal habe ich ja eine Eintrittskarte. Leider ist das Wetter ziemlich grau heute, kein einziger Sonnenstrahl, keine guten Vorraussetzungen um gute Bilder zu schießen. Den Park kennzeichnen vor allem die von Gaudi entworfenen Säulenbrücken- und Wege und einige kleinere Bauten in seinem unverkennbaren Stil, in dem alles rund und geschwungen ist. Und man hat vom Hügel hier wieder eine gute Sicht auf Barcelona, wenn man denn eine Sicht hat, heute eher nicht so. Schade das das Wetter heute nicht so paßt, mit ein paar Sonnenstrahlen sieht das alles bestimmt viel besser aus.

43.Tag Sonntag der 23.Juni

Der Tag beginnt heute mit bedecktem Himmel und etwas kühler. Ideal für mich, es geht mit dem Fahrrad heute weiter, Richtung Pyrenäen und Frankreich. Da heute Sonntag ist, ist der Verkehr in Barcelona nicht so viel und ich kann ohne Streß durch die Stadt radeln. Es geht Richtung Strand. Die Strände begleiten mich heute den ganzen Tag. Entweder ich fahre direkt an den Strandpromenaden oder wechsle auf eine parallel laufende Landstraße, um ab und zu etwas Strecke zu machen. Sandstrände ohne Ende hier. Wenn sich ab und zu ein paar felsige Abschnitte dazu gesellen, wirds richtig urig schön. Ab Mittag kommt die Sonne wieder etwas raus und alles beginnt zu leuchten. Bei Malgrat del Mar will ich auf einem Campingplatz einchecken, aber es ist alles voll. Morgen ist Feiertag hier, St. Juan, es wird den ganzen Tag heute schon geböllert. Ich klappere noch 5 weitere Campingplätze ab, überall Absagen, obwohl ich denen klar mache, das ich wenig Platz brauche und mit dem Fahrrad mir auch langsam die Kräfte ausgehen. Das wäre in Mitteleuropas eigentlich undenkbar, einen Notcampingplatz für Radler gibt's eigentlich immer, hier nicht. Mir sind die Optionen ausgegangen und ich stelle mich drauf ein, mir irgendein stilles Örtchen abseits für die Nacht zu suchen. Es ist mittlerweile nach 20 Uhr und ich rolle durch das nächste Örtchen und plötzlich taucht vor mir links noch ein Camping auf. Die Rezeption hat schon geschlossen, aber der Platzwart ist noch da und ich kriege Wunder oh Wunder einen Platz für mein Zelt und meine wohlverdiente kalte Dusche. Der Campingplatz war auf keiner meiner Apps verzeichnet, wohl deshalb gab's hier noch freie Plätze, kennt halt keiner. Danach gönne ich mir erstmal zwei Mojitos an der Bar. Abends geht's dann zur Strandpromenade. Hier ist irre was los. Menschen über Menschen am Strand und an der Promenade davor. Es wird geböllert was das Zeug hält. Silvester mitten im Sommer. Im Hintergrund kann ich den Hügel über der Stadt mit einer Burg gerade noch erahnen. Je mehr ich mich darauf zu bewege umso mehr verschwindet er im Räuchernebel des Feuerwerks. Die gute Laune der Spanier steckt an, überall wird Radau gemacht oder Bands spielen. Auf dem Rückweg zum Camping in der Nacht, sieht man allerdings auch überall den Dreck von Feuerwerk und Böllern am Strand. Die Nacht bleibt unruhig, irgendwann schlafe ich dann doch ein, während draußen ohne Unterlaß geböllert wird. 

44.Tag Montag der 24.Juni

Nachdem es gestern spät geworden ist, geht es heute auch etwas später los, 10:30 sitze ich auf dem Rad und es geht Richtung Norden, landeinwärts. Am Anfang begleite ich den Fluß Tordera, der hier vor der Einmündung ins Meer ein schönes Delta bildet und von meterhohen Schilfgras gesäumt wird. Dann wird die Landschaft hügelig, heißt für mich geht es jetzt auch wieder hoch und runter. Die Strecke ist schön, teils auf dem Seitenstreifen der Landstraße oder auf unbefahrenen Nebenstraßen bis zu Schotterpisten, alles dabei heute. Es geht teils durch Pinienwälder. Im Hintergrund sehe ich die Pyrenäen, ganz schön imposant. Die Gegend ist wieder merklich grüner, ich fühle mich fast an zu Hause erinnert Ich fahre durch Girona, schieße noch schnell ein Bild von der Kathedrale und den alten bunten Häusern am Fluß und weiter geht's. Ich will noch ein paar km machen, morgen geht's in die Pyrenäen, jeder km den ich heute mehr fahre, macht's mir morgen leichter. In dem kleinen Örtchen Bordils 10km hinter Girona gibt's 4 Pensionen und ein Hotel, wird ja wohl was für mich dabei sein. Und meine Irrfahrt auf der Suche nach Unterkünften geht wieder los. An 2 Pensionen ist niemand da, auch keine Telefonnummer und die anderen beiden Pensionen haben kein Zimmer, das Hotel hat geschlossen und ich sitze wieder im nirgendwo. Nach langem Hadern entschließe ich mich nach Girona zurück zu fahren, wiedermal 20km umsonst gefahren heute. Mittlerweile wieder nach 20 Uhr checke ich im ersten Hotel hier ein, ich will wirklich nicht mehr weiter suchen.

45.Tag Dienstag der 25.Juni

Heute schaffe ich es früher zu starten. Nach einem kleinen Frühstück im Café des Hotels starte ich um 9:30. Die ersten 55km sind leicht zu fahren heute. Die Strecke geht großteils auf abgelegenen Nebenstraßen oder Outdoor auf Schotterpisten. Alles angenehm zu radeln, keine großen Steigungen Die Pyrenäen rücken merklich näher und sind auf einmal direkt vor mir. In Vilajuiga, einem kleinen Örtchen direkt vor den Bergen, mache ich nochmal Rast. Es gibt das große Döner Menü, ich brauche Energie, ab jetzt geht's 500m hoch. Die Strecke hochwärts zieht sich, ich fahre großteils im kleinsten Gang, das ist nicht viel mehr als Schrittgeschwindigkeit. Aber die Steigungen haben es auch in sich, bis zu 13%. Ich schaffe es aber auch ohne Schieben mit 2 Fotostops unterwegs. Leider ist die Sicht landeinwärts ziemlich diesig heute, man kann die Berge der Pyrenäen im Hintergrund nur noch erahnen. Die Rennradler unterwegs begrüßen mich teilweise wieder mit dem Daumen nach oben. Auf dem Gipfel bin ich nach 1h und Schweiß überströmt. Aber mir bietet sich eine grandiose Sicht auf das Meer auf der anderen Seite des Bergs und das strahlend weiße Örtchen da unten in einer Bucht. Da muß ich hin heute. Die Abfahrt ist ein Genuß. In Serpentinen geht's runter mit immer wieder grandiosen Aussichten. Der Campingplatz ist schnell gefunden. Die Preise der Plätze hier an der Costa Brava sind deutlich höher als ich es sonst aus Spanien gewohnt bin. In Cordoba hatte ich für den Preis Übernachtungen in Hostel und Pension. Aber was soll's, dafür bin ich direkt am Strand. Heute bin ich zu faul noch ins Meer zu springen, aber das wird morgen früh gleich das Erste.

Freitag, 21. Juni 2024

Tag 38 bis Tag 41

38.Tag Dienstag der 18.Juni

Es ist schönstes Wetter, blauer Himmel, die Sonne strahlt mit voller Kraft, ein Urlaubstraum, nur nicht für mich, für mich ist das ein Alptraum, die Hitze ist mein schlimmster Feind auf der Tour. Ich triefe schon um 11Uhr vor Schweiß, zu allem Überfluß gibt's wieder reichlich Gegenwind heute. Die Strecke ist nicht sonderlich sehenswert, ich rolle auf den Seitenstreifen von ziemlich befahrenen Landstraßen durch ein ziemlich besiedeltes Gebiet. In Tarragona versuche ich die Burganlage zu besichtigen, mir wird aber der Zutritt verweigert, scheint gerade irgendeine Veranstaltung zu sein. So verläuft der Tag mit viel Abgase schlucken, viel Schweiß und immer wieder Pausen zum akklimatisieren. Den ersten Campingplatz den ich mir ausgesucht hatte für heute ist mal wieder geschlossen. Also muß ich ziemlich fertig schon noch 7km weiter und auch hier kriege ich erst mit einigem Überredungsdruck Zutritt, eigentlich ist der Platz voll. Zum Glück kann ich den Betreiber überzeugen das ich wirklich nicht viel Platz brauche und mit meinem Rad auch nicht mehr weit komme heute. Mein größter Erfolg heute, ich habe für die nächsten Tage eine Übernachtung in Barcelona gefunden. Barcelona ist normalerweise irre teuer zum übernachten, ein Bett im Schlafsaal ist nicht für unter 100€ zu bekommen, Einzelzimmer fast unbezahlbar, so bin ich auf die Vermittlung von Privatzimmern bei Airbnb übergegangen. Tara heißt meine Gastgeberin für die nächsten Tage und macht per Chat einen sehr netten Eindruck, ich bin schon sehr gespannt.

39.Tag Mittwoch der 19.Juni

Es geht nach Barcelona, nur noch 55km bis zu meiner Unterkunft in der Innenstadt. Ein Teil meiner Strecke führt mich an einer Straße direkt am Berghang, neben dem Meer entlang, eigentlich recht spektakulär, aber ich kann's nicht genießen. Ich klebe mit meinem Rad an der Betongleitwand, die Abstürze ins Meer verhindern soll. Einen Randstreifen gibt es nicht, die Straße ist eng und es ist ein irrer Verkehr. Die Ausblicke von der Straße sind super, aber es gibt keine Möglichkeit anzuhalten und ein Bild zu machen, die Autos hinter mir drängeln Nur schnell durch hier. In Barcelona empfangen mich die ersten Hochhäuser, ich bin sichtbar in einer Großstadt gelandet. Es ist viel Verkehr, aber es gibt auch viele Radwege. Da ich noch Zeit habe bis zum Einchecken bei Tara, fahre ich noch am Plaza de Espana vorbei. Anders als in anderen spanischen Städten rollt hier aber Verkehr rund um den Plaza. Neben der Plaza gibt es allerdings ein Gebäude mit Aussichtsplattform. Also parke ich mein Fahrrad mitsamt Gepäck daneben. In der Nähe sehe ich 2 Polizisten, scheint ein guter Platz zu sein, um mein Fahrrad mal kurz allein zu lassen. Also geht's mit Fotoapparat hoch auf die Plattform. Von hier hat man wirklich einen guten Rundumblick, selbst die Familia Sagrada kann ich in der Ferne sehen. Zurück beim Fahrrad, warten schon die beiden Polizisten bei meinem Rad, na hat doch geklappt mit dem Privatschutz. Ich krieg noch einen kleinen Vortrag wie gefährlich es ist seine Sachen hier einfach rumstehen zu lassen. Danach geht's zu meiner Unterkunft. Tara ist wirklich nett, sie kommt ursprünglich aus dem Iran, ist in Schweden aufgewachsen und lebt seit einigen Jahren in Spanien. Sie spricht mehrere Sprachen, zum Glück auch englisch. Ich find das super, wenn man so international im Leben unterwegs ist. Abends geht's dann nochmal auf eine Runde im Viertel. Wirklich eine gute Gegend, überall sind Bars und Cafés, in einer kleinen vietnamesischen Bar läuft gerade Fußball, Deutschland-Ungarn, das lasse ich mir nicht entgehen.

40.Tag Donnerstag der 20.Juni

Es geht zur Besichtigung in Barcelonas Innenstadt. Dazu muß ich mein Fahrrad erstmal durch den engen Hausflur meiner Unterkunft jonglieren. In Barcelonas Verkehr muß man höllisch aufpassen, alle 50 m eine Ampel, mal Radweg da, mal nicht, Autos von allen Seiten. Es geht erstmal zur Casa Batlo, die wie vieles hier von Gaudi entworfen wurde. Davor drängen sich die Touris. Ich versuche erst gar nicht ein Ticket zu erstehen bei den Massen. Es geht erstmal weiter, vorbei an weiteren Casas zur Sagrada Familia. Diese Basilika geht natürlich auch auf den Baumeister Gaudi zurück und ist immer noch im Bau. Das ist schon ein imposantes Bauwerk. Online hatte ich schon versucht Tickets zu bekommen, da gab's aber keine freien Termine für die nächsten Tage. Also versuche ich mein Glück hier vor Ort nochmal und habe Glück und kann für morgen Mittag ein Ticket ergattern. Danach geht's weiter zur alten Kathedrale und durch die Gassen in diesem Gebiet. Ein Friseurbesuch fällt beim Durchstöbern der Gassen auch gleich mit ab. 5€ um meine langen Loden wieder zu stutzen. Irre wenig, so gebe ich 2€ Trinkgeld drauf und bin der beste Freund vom Friseur. Danach geht's die Allee La Rambla Richtung Plaza de Catalunya entlang. Irre was hier los ist, Menschenmassen die hier unterwegs sind. Den Plaza de Catalunya kann ich leider nicht besichtigen, alles abgesperrt, hier scheint es ein Konzert zu geben, man hört die Band proben. Ich fahre erstmal ein Stück raus aus den Hotspots hier zum Plaza del Sol. Hier ist es schön gemütlich, nicht mehr so die Tourimassen und man kann ein bißchen entspannen. Jetzt kommt auch langsam die Sonne ein bißchen raus, ansonsten hat es fast den ganzen Tag geregnet. 

41.Tag Freitag der 21.Juni

Es geht zur Sagrada Familia, ich hab ein Ticket für heute Mittag. Vor dem Eintritt, gibt's erstmal den Sicherheitscheck, das volle Programm, wie beim Flugzeug, alles wird durchleuchtet. Der Bau der Sagrada wurde um 1880 begonnen und dauert heute noch an, am Anfang wohl noch im neugotischen Stil, aber mit der Zeit hat Gaudi immer mehr seine eigenen Vorstellungen verwirklicht. Ich bin wieder mal tief beeindruckt in dem Bauwerk, das ist wirklich außergewöhnlich. Ich hoffe die Bilder können ein klein bißchen diese grandiose Basilika widerspiegeln. Danach geht's zum Park Guell. Nachdem ich mich den Hügel dorthin hochgeschnauft habe, sehe ich als erstes am Eingang ein Schild: Sold Out. Ne, oder? Auch auf Nachfrage kriege ich nur die Auskunft, alles ausverkauft heute. Eigentlich wollte ich morgen abreisen aus Barcelona, Mist. Also geht's zum Montjuic, einem der beiden Hausberge von Barcelona, was allerdings heißt ich muß quer durch die Stadt nach Süden. Am Hausberg gibt es einige Sehenswürdigkeiten. Einer Hauptattraktion, dem riesigen Springbrunnen vor dem Schloß auf dem Hügel, wurde allerdings auf Grund der anhaltenden Dürre hier, das Wasser abgedreht. Aber vom Schloss oben hat man eine irre schöne Aussicht auf Barcelona. In einer Ecke an einem Aussichtspunkt sitzt ein Solokünstler, der sich auf der Gitarre begleitet. Ich lasse mich auf einer Bank hier nieder und genieße den frühen Abend bei dem tollen Ausblick mit musikalischer Untermalung. Der spielt echt gut, am Ende gibt's eine reichliche Spende von mir und ich erstehe noch eine CD von ihm. Zurück in meiner Unterkunft erzähle ich Tara, das es mit dem Park Guell nicht geklappt hat. Sie bietet mir an, das ich meinen Aufenthalt bei ihr verlängern kann und das zu einem supergünstigen Preis. Also geht's dann morgen nochmal zum Park Guell, ich erstehe noch schnell online eins der letzten Tickets für morgen Abend. Am vorgerückten Abend geht's dann nochmal zu meiner fast schon Stammbar um die Ecke, Frankreich-Niederlande steht auf dem Programm.

Montag, 17. Juni 2024

Tag 34 bis Tag 37

34.Tag Freitag der 14.Juni

Heute geht's mir dem Fahrrad weiter, Richtung Barcelona. Die Strecke entspricht großteils der Route des Eurovelo 8, der Mittelmeerroute. Aus Valencia sich raus zu quälen, ist mühselig, alle 200m eine Ampel, obwohl ich es mir wie die Spanier schon angewöhnt habe nicht jede rote Ampel ernst zu nehmen, ist es ein einziges Stop and Go Auch nach Valencia begleiten mich noch lange viel befahrene Straßen, ich rolle nebenher entweder auf Radwegen oder breiten Seitenstreifen. Die Strecke ist flach so das ich schnell vorwärts komme, aber auch nicht sehr sehenswert. Ich bin noch im Einzugsgebiet von Valencia, alles zersiedelt, viele Gewerbegebiete. Sagunt ist ein nettes kleines Örtchen mit einem alten römischen Theater, von dem aber nicht mehr viel sichtbar ist. Danach wird die Strecke schöner, nicht mehr soviel Verkehr, ich fahre an einigen Biotopen mit riesigen Schilfgras vorbei. Nach 60 km checke ich an einem Camping leider nicht direkt am Strand ein. Aber einen Sprung in den hauseigenen Pool gibt's schonmal.

35.Tag Samsitag der 15.Juni

Das wird ein anstrengender Tag heute, ich hab derben Gegenwind. Bei Beinicassim radle ich direkt an einem irre langen Sandstrand. Es ist bereits Mittag, der perfekte Zeitpunkt für einen Sprung ins Wasser. Anbaden im Mittelmeer. Das Wasser ist nicht wirklich kalt, aber zur Erfrischung reicht's allemal. Es ist ziemlicher Wellengang, was für viel Badespaß sorgt. Danach gibt's in einer Pizzeria noch das Menü des Tages, für 13€ Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise, ein Getränk inklusive. So gestärkt geht's dann mittlerweile schon 15Uhr weiter. Die Strecke wird jetzt richtig schön. Ich fahre wieder auf einer stillgelegten Bahnstrecke. Links geht's die Berge hoch und rechts kann ich auf das Mittelmeer runterschauen, wie es sich schäumend an den Felsen bricht. Leider ist die Bahnstrecke nicht sehr lang, aber auch danach fahre ich schön abseits vom Verkehr durch die Natur hier, was meist riesengroße Gräser und Schilfgräser heißt. Nach 70km entdecke ich einen schönen kleinen schattigen Campingplatz, der mir sofort zusagt. Nach dem Kampf gegen den Wind den ganzen Tag habe ich keine Lust mehr weiter zu fahren. Abends gibt's dann Fußball im Restaurant, Spanien-Kriatien. Das Interesse der Spanier hier auf dem Camping hält sich komischerweise sehr in Grenzen.

36.Tag Sonnitag der 16.Juni

Es geht die ersten 30km einfach nicht vorwärts heute. OK ich hab ein bißchen Gegenwind und die Strecke geht Offroad immer wieder hoch und runter. Der Hauptgrund ist aber, ich muß an jeder Ecke anhalten, es ist einfach superschön. Links von mir geht's die Hügel hoch in die Berge und rechts brandet das Meer gegen die Uferfelsen. Das Meer glitzert in allen Blautönen. So geht es auf Peniscola zu, wo man vor weitem schon die Festungsanlage auf einem Hügel im Meer thronen sieht Man kann sich nicht satt sehen heute. In Peniscola gibt's zur Stärkung erstmal das Menü des Tages. Danach geht's auf Nebenstraßen großteils weiter und ich bin heilfroh, das die Strecke nicht mehr so reizvoll ist und ich ein bißchen Strecke machen kann. Bei Alcanar finde ich einen Campingplatz mit Strandzugang. Das ist dann auch das erste nach dem Zeltaufbau, schön im Meer treiben lassen. OK der Strand ist nicht ganz so schön wie die an denen ich heute vorbei gefahren bin, ziemlich steinig und im Hintergrund sieht man irgendeine Industrieanlage, aber dafür habe ich den ganzen Strand für mich Zum Abend sitze ich dann wieder mal in der Campingplatz Bar bei einer kühlen Cerveza. Das Schöne ist in einer guten Bar wird zum Getränk immer etwas dazu gereicht. Hier gibt's. Oliven und Fischspießchen, irre lecker 

37.Tag Montag der 17.Juni

Die Nacht war äußerst unruhig. Meine Isomatte hat einen Platten. Alle 2 Stunden muß ich Luft nach blasen, wenn ich kein Schottermuster im Rücken haben will. Die ersten 40 km laufen gut heute, das heißt auch nichts nennenswertes zu sehen. In Ampolla mache ich Mittag. 14 Uhr geht's weiter und jetzt wirds eklig. 20m hoch, 20m runter, mit ekligen Steigungen, ich muß mir jeden km erkämpfen. Irgendwann gibt es einen Kiesweg mit geschätzt 30 %, keine Chance selbst mit schieben da hoch zu kommen. Die einzige Alternative ist eine Straße landeinwärts die Hügel hoch, auch mit 15%, aber hier komme ich wenigstens mit schieben vorwärts. Danach lande ich auf einer Piste neben der Autobahn. Die Autobahn ist schön Schnurgerade und ich mache hier auf der Piste nebenan, wieder den Kletteraffen, eine einzige Berg- und Talbahn. Die letzten km geht's dann nur noch bergan, aber wenigstens mit erträglichen Steigungen, bevor es dann bergab zum Meer zu den Campingplätzen geht. Der erste Campingplatz sieht nobel aus mit Springbrunnen. Am Eingangstor gibt's gleich einen Aufpasser, der mich gleich kritisch mustert wie ich schweißtriefend vorfahre. Die Rezeption erinnert eher an ein First Class Hotel. Ich bin skeptisch, die wollen mich bestimmt nicht hier. Und so ist es auch, mir wird erklärt, das der Mindest Aufenthalt 2 Nächte beträgt. Aja mache ich und schaue auf den leeren Campingplatz. Na dann mache ich mich halt weiter, sind nur 2 km bis zum nächsten Camping. Dort gibt es so komische Regeln zum Glück nicht und ich finde einen Schlafplatz. Leider kriege ich das Problem mit meiner undichten Isomatte hier nicht gelöst, einen Pool gibt's hier nicht, die Waschbecken haben keine Stöpsel, keine Möglichkeit eine Dichtigkeitsprüfung zu machen. Wobei es mich wirklich nicht wundert, das die Isomatte kaputt ist. Die Campingplätze sind generell nur für Caravans und Co ausgelegt. Meistens ist der Untergrund spitzer Schotter, da muß auf Dauer die Campingausrüstung kaputt gehen. Sowas kotzt mich dann immer maßlos an, wenn man auf den modernen Campingplätzen kein bißchen mehr an die Leute mit Zelten denkt.

Tag 46 bis Tag 49

  46.Tag Mittwoch der 26.Juni Die letzte kleine Radtour steht heute an. Aber frühs geht's erst nochmal ins Meer, besser kann man den Tag...