46.Tag Mittwoch der 26.Juni
Die letzte kleine Radtour steht heute an. Aber frühs geht's erst nochmal ins Meer, besser kann man den Tag nicht starten. Zeug zusammenpacken, nochmal ins Café zum Frühstück, es gibt Cafe Con leche, Zumo de Naranja und Tortilla. So geht's erst um 11 Uhr los, es sind aber auch nur 30km zu fahren. Es geht in Schleifen an der Küste entlang, immer wieder hoch und runter. Die Küstenstraße ist leider sehr befahren und großteils eng ohne Seitenstreifen, aber die Aussicht auf die Küste ist immer wieder super schön. Links geht's die Berge der Pyrenäen hoch, an deren Hang ich fahre und rechts kann ich auf das Meer runter schauen. Hinter Portbou muß ich mich nochmal einen kleinen Pass von 200 m hoch kämpfen und stehe oben dann schon auf französischem Boden. Ich mache nochmal Rast hier oben und schaue runter auf Port Bou und die spanische Küste. Zeit, Abschied zu nehmen von Spanien. Ein paar Kilometer habe ich noch zu machen. Es geht den Pass runter nach Cerbere, die Aussicht dabei ist wieder grandios. Ich fahre durch Cerbere durch und 5km weiter zu einem Campingplatz am Meer. Der Zeltplatz ist sehr einfach, aber schön gelegen. Ich campe am Hang unter schattigen Pinien mit Blick aufs Meer. Einen direkten Zugang zum Meer gibt's leider nicht. Ich bin oberhalb einer Felsenbucht. Am Campingplatz Imbiss habe ich heute so meine Schwierigkeiten. Aus Gewohnheit heraus bestelle ich alles auf spanisch, die halten mich schon für einen Spanier, bevor ich meinen Fehler bemerke und wieder mal den Übersetzer auf dem Handy bemühe. Abends sitze ich vor meinem Zelt und schaue aufs Meer hinaus. Irgendwo da hinten, wo Himmel und Meer am Horizont verschmelzen geht's in ferne Länder. Im Osten Italien, südlich nach Afrika. Wie muß das früher gewesen sein für die Menschen, wo noch nicht jeder Flecken Erde bekannt war und hinterm Horizont das Unbekannte wartete. Heute bilden wir uns ein, alles zu kennen. Aus Nachrichten und Medien haben wir ein Bild von Ländern, die wir nie bereist haben. Wir haben Schachteln mit verzerrten Bildern aus den Medien im Kopf. Für Spanien konnte ich ich meine Schachtel mit ein paar lebendigen Bildern und vor allem Menschen füllen. Danke an Arturo, Carlos, Tara und all die anderen Begegnungen, ihr habt Spanien für mich ein Gesicht gegeben. Ich weiß noch nicht, ob ich wiederkomme, die Welt ist groß und es gibt noch viel zu sehen, aber ich hatte eine großartige Zeit in Spanien, naja, gut ein bißchen kühler häts sein können 😀.
47.Tag Donnerstag der 27.Juni
Es geht nach Narbonne heute. Mein Zug fährt um 12:30 Uhr. So genieße ich den Morgen noch im Café in Cerbere und schaue auf den Hafen hinaus. Cerbere ist ein kleines Nest mit großem Bahnhof, einem kleinen Hafen mit Strand und ein paar Cafés, das war's schon.Mit dem Zug klappt alles problemlos, 14Uhr bin ich in Narbonne, einer hübschen kleinen Stadt mit Kathedrale und schönen kleinen Ecken. Nach Besichtigung geht's zum Campingplatz 7km vor der Stadt. Nach 20 min warten an der Rezeption, wird mir mitgeteilt, das der Herr vor mir gerade den letzten Zeltplatz gebucht hat. Ne, oder. Die Dame an der Rezeption meint, es gibt noch einen Campingplatz im Umkreis und gibt mir die Adresse. Ich gebe draußen die Adresse in mein Navi ein. Ne oder, das ist 80km weit weg, das ist kein näherer Umkreis für mich und mein Fahrrad. Also geht's mit dem Fahrrad nach Narbonne zurück. Wenigstens habe ich so noch ein bißchen Auslauf mit meinem Fahrrad gekriegt heute, sonst hätte mir auch was gefehlt Ich buche mir ein Zimmer in Narbonne über booking.com und kriege daraufhin mehrere Benachrichtigungen. Erstmal muß ich bei irgendeinem Portal online eine Kaution hinterlegen, was macht man nicht alles für einen Schlafplatz. Dann kriege ich Nachrichten mit Anweisungen wie ich in meine neue Unterkunft gelange, mit Bildern wo eine Schlüsselbox hängt, wo der Eingang ist….. Mir wird schon wieder schlecht. Aber irgendwie finde ich dann die Schlüsselbox und kriege die mit einem Code geöffnet und finde auch den Eingang. Das Appartement ist ganz oben im 4.Stock. Die Schlüssel passen, geschafft. Für unter 30€ ein Schnäppchen, Küche mit Aufenthaltsbereich, Bad, 2 Balkone und mehrere Zimmer, eins davon meins. Nach mir trifft noch eine Engländerin ein, so teilen wir uns zu zweit das Appartement. Fehlt nur der Strandzugang, das Mittelmeer werde ich wohl jetzt nicht mehr sehen.
48.Tag Freitag der 28.Juni
Es geht in Etappen heimwärts. Heute geht's mit Nahverkehrszügen quer durch Frankreich bis in die Schweiz nach Genf Ich hoffe, ich komme mit meinem Fahrrad überall mit. 9 Uhr fährt mein erster Zug nach Avignon heute. In Narbonne, wo ich einsteige sind noch genügend Stellplätze vorhanden. Aber der Zug füllt sich unterwegs. Im Anschlußzug von Avignon nach Valence schaffe ich es auch noch mir einen Stellplatz zu sichern, aber das Fahrradaufkommen steigt unterwegs enorm. So sind bald alle Gänge mit Rädern zugestellt Im Zug komme ich mit einem französischen Pärchen, die den Rhone Radweg gefahren sind, ins Gespräch. Die Frau spricht ein wirklich gutes deutsch. Die Beiden müssen auch in Valence aus dem Zug, so entwickeln wir gemeinsam einen Schlachtplan wie wir unsere Räder aus dem Fahrradchaos hier rauskriegen. In Gemeinschaftsarbeit klappt das dann auch wieder hervorragend in Valence. Für mich geht's in Valence mit dem nächsten Zug weiter nach Genf. Als ich auf den Bahnsteig komme, sehe ich schon 30 Radler, die verzweifelt versuchen ihre Fahrräder im Zug unterzubringen. Es gibt nur ein Fahrradabteil und das ist schon gnadenlos überfüllt. Ich merke aber schnell, das der Zug bis auf die fehlenden Fahrradplätze eigentlich relativ leer ist und mach's mir einfach. Fahrrad in ein leeres Abteil rein geschoben und fertig. Die Schaffnerin lacht, scheint in Ordnung zu gehen so. In Genf komme ich kurz nach 17 Uhr an. Bis zum Campingplatz vor der Stadt sind es 8km, unterwegs kaufe ich mir noch eine Dose Ravioli fürs Abendbrot heute. Stolze 7,50€ kostet die hier. Den Campingplatz kenne ich schon von meiner Rhein/Rhone Tour mit Christoph. Er liegt direkt am Genfer See, so das ich morgen früh da nochmal schön reinspringen kann. Abends lerne ich noch eine französische Radlerin kennen, die nach mir ankommt und aus der Bretagne hierher geradelt ist und weiter bis nach Wien will49.Tag Samstag der 29.Juni
Frühs geht's erstmal schwimmen in den Genfer See. Besser kann man den Tag nicht starten. Mein Zug Richtung Heimat startet erst um 11:15 Uhr, so das ich mir Zeit lasse beim reinradeln nach Genf und öfters mal mich an die Seepromenade setze und dem bunten Treiben der vielen Menschen zuschaue. Heute brauche ich mir keinen Kopf zu machen, ob ich mein Fahrrad im Zug mitbekomme, alles Schnellzüge, die Fahrradstellplätze sind reserviert. Im ersten Zug lerne ich noch einen netten Schweizer Reiseradler kennen, der gerade von einer Tour in Frankreich heimkehrt. Er fährt das gleiche Fahrrad wie ich von ToutTerrain mit Pinion Schaltung. Wir tauschen uns über Touren aus und so kriege ich auch gleich einige Anregungen für eventuelle zukünftige Touren in der Schweiz und Frankreich. Im Austausch versorge ich ihn mit Infos über meine Kroatientour nach Dubrovnik, dorthin plant er seine nächste Tour. So verläuft der erste Teil der Heimreise recht kurzweilig. Die Bahn ist einigermaßen pünktlich, so bin ich nach zweimal umsteigen kurz nach 21 Uhr in Weimar. Schon komisch irgendwie nach 7 Wochen unterwegs sein, wieder in den Heimathafen einzurollen. Aber ich hab für die nächste Woche noch genug zu tun, Bilder und Videos bearbeiten und so die Reise nochmal zu Hause aufarbeiten. Spanien wird mich also noch ein Stück begleiten.Noch ein bißchen Statistik zum Schluß: Ich habe mehr als 2100 km mit dem Fahrrad zurückgelegt und dabei ca. 135 Stunden im Sattel gesessen. Dabei habe ich pro Tag ca. 200 Gramm Gewicht verloren, heißt ich habe 10kg abgespeckt 😀.









