Heute ist Fahrrad-Ruhetag. Ich hab mich mit meiner Nichte Nele verabredet. Die ist seit fast einem Jahr jetzt schon in Spanien als Au-Pair. Ich hol sie früh am Busbahnhof hier ab, wo sie aus Vitoria extra rüberkommt. Ich freu mich riesig. Und der Tag wird auch echt schön. Gemeinsam geht's an der Strandpromenade entlang und durch die Altstadt von San Sebastian. Das ist schon cool, wenn man eine spanisch sprechende Ortskundige an der Seite hat. So kriege ich eine Einführung in die hiesigen Spezialitäten. Pinchzos kann ich sehr empfehlen. Am späten Nachmittag geht's dann mit dem Bus rüber nach Vitoria. Was uns allerdings viel Überredungskünste kostet, das der Busfahrer mein Fahrrad akzeptiert, aber Dank Nele klappt das wunderbar. Für mich geht's dann gegen Abend auf den örtlichen Camping in Vitoria und Nele kehrt zu ihrer Gastfamilie hier zurück. Im Regen baue ich mein Zelt hier auf. Der Campingplatz ist sehr einfach, aber es gibt eine Kneipe, wo die Megafete läuft und mit viel spanischer Lautstärke ist das schlechte Wetter draußen schnell weg geblasen und nach 2 Cervezas hab ich die nötige Bettschwere.
8.Tag Sonntag der 19. Mai
Früh geht's wieder nach Vitoria rein. Ich hab mich mit Nele verabredet für eine Stadtbesichtigung. Vitoria hat eine schöne Innenstadt mit Gäßchen mit vielen Cafés und Bars. Was mir besonders gefällt sind die super ausgebauten Fahrradwegen durch die Stadt, obwohl kaum Fahrradfahrer unterwegs sind. Schon komisch in Deutschland ist die Fahrradführung in Städten extrem viel schlechter als hier, obwohl es viel mehr Fahrradfahrer in Deutschland gibt. Ansonsten genießen wir den Tag am Plaza de Espana, wo nachmittags eine baskische Trachtentruppe einzieht und Tänze aufführt. Es ist extrem viel los auf der Plaza, hier tummelt sich jung neben alt und man kann das Leben bei spanischen Leckereien genießen. Gegen Abend geht's für mich wieder gen Campingplatz und es regnet mal wieder. Irre das Wetter hier, das wechselt so schnell. Morgen geht's dann wieder auf Tour gen Burgos.
9.Tag Montag der 20. Mai
Es hat die ganze Nacht wieder geregnet. Am frühen Morgen packe ich das nasse Zelt und all meine Klamotten zusammen. Ca. 1 Stunde dauert das immer, bis wieder alles am Fahrrad verstaut ist. Danach geht es erstmal auf Frühstückssuche ein Stück nach Vitoria rein. Ich werde aber schnell an einem Café fündig. Das spanische Frühstück gefällt mir viel besser als die süsse französiche Variante. Hier gibt's deftige Sachen, das gefällt mir sehr gut, ich brauche Energie für den Tag. Und die Preise sind super, für 8€ gibt's Kaffee, Orangensaft und 3 leckere belegte Brötchen nach Wahl. Die Tour führt mich heute über 2 Passhöhen bei ca. 900m. Das schlaucht ganz schön hier in den Bergen. Nach der 2. Passhöhe blicke ich plötzlich in ein weites Tal ca 500m unter mir. Eine irre Aussicht. Man kann von hier aus genau beobachten wo es da unten gerade regnet. Leider auch in der Richtung, in die ich muß. Das Wetter ist echt miserabel im Moment, Tagestemperaturen sind auf 12Grad abgesackt, nachts geht's fast bis auf Frostgrade runter. Ich komme mir vor als würde ich im Herbst durch Norwegen radeln und nicht durch Spanien. Die Abfahrt ins Tal beschert mir 2 Begegnungen der besonderen Art, zuerst springen 2 Bergziegen vor mir über die Straße und wenig später kommt mir auf meiner Fahrspur ein LKW um die Ecke entgegengeschossen, wenn ich was größeres als ein Fahrrad fahren würde, häts jetzt geknallt. Nach 50km ist heute in Haro Schluß für mich, zu kalt, zu viel Regen und so checke ich per booking.com in ein Hotel hier ein. Wenn ich gewußt hätte was mich daraufhin erwartet, hätte ich lieber auf dem Campingplatz gefroren. Erstmal warte ich vor dem verschlossenen Hotel 15min, scheint gerade niemand da zu sein. Dann werde ich unruhig und suche den Eingang ab, da sind mehrere Panels mit Zahlen und ein Knopf, auf einem Panel, sieht aus wie eine Klingel, also drücke ich da ganz forsch drauf. Nach mehreren automatischen spanischen Ansagen meldet sich tatsächlich jemand. Ich versuche mich auf Englisch verständlich zu machen, das ich hier ein Zimmer gebucht habe. Scheint zu funktionieren, die Tür geht auf. Ich komme in einen Raum, wo ich 2 Gäste sehe, die sich mit einem Bildschirm unterhalten. Mir schwant böses. Kaum sind die beiden Gäste weg, plopt der Bildschirm wieder auf und ich sehe eine ältere Dame, die sich irgendwo am anderen Ende der Milchstraße befinden könnte. Jetzt bin ich wohl dran und ich versuche der Dame am Ende der Milchstraße wieder auf Englisch zu erklären, das ich hier auf dem Planeten Erde in diesem kleinen Hotel ein Zimmer gebucht hätte. Ja sagt die Dame, aber ich muß erst bezahlen. Ja sage ich das würde ich ja gerne, aber ich kriege meinen 50€ Schein nicht durch die Mattscheibe geschoben. Ja sagt die Dame, sie schickt mir einen Link, da kann ich dann bezahlen. Dann verabschiedet sich die Dame und plom krieg ich irgendwo aus den Weiten der Milchstraße einen Link auf mein Smartphone. Jetzt ist es an mir zu beweisen das wir Erdenbürger doch ein bißchen Technikaffin sind und irgendwie schaffe ich die Transaktion ins nirgendwo. Der Bildschirm ist wieder tot, also begebe ich mich wieder vor die Eingangstür zu dem Panel mit dem Klingelschalter und melde mich dort wieder, ich habe gebucht, ich habe bezahlt, bitte bitte laßt mich wieder rein. Plom die Tür geht auf. Drinnen plopt der Bildschirm wieder auf mit einer neuen älteren Dame aus einem noch ganz anderen Ende der Galaxis. Ich erkläre wieder auf Englisch ich habe gebucht ich habe bezahlt, was jetzt. Ja sagt die neue Dame jetzt registrieren wir sie. Wo frage ich, auf Alpha Centauri? Nein sagt die Dame, ich brauche ihre Passport Daten. OK also sende ich die auch noch ans Ende der Milchstraße. Beim Buchstabieren meiner Daten kriegen wir beim H Probleme, “Aetsch” sage ich. Aetsch wie Phone fragt die Name, No sage ich “Aetsch* wie Harald. Harald?, die Dame. Gott verdammt, wieso kennen die am Ende der Milchstraße nicht Otto, kennt doch jeder. Wir einigen uns auf Hotel. Endlich kriege im Austausch für meine Identität, Zimmernummer und Zugangscode (laßt mich den um Himmels Willen richtig verstanden haben, die sprechen am Ende der Milchstraße so ein komisches Englisch). Ich hab noch ein Problem sage ich, ich brauche noch einen sicheren Platz für mein Fahrrad. Oh sagt die Dame, dafür ist das andere Ende der Milchstraße zuständig, ich solle mich setzen und auf weitere Anweisungen warten. Plom Bildschirm dunkel. 10min später ein Anruf auf meinem Handy, ich bin irritiert, kein Bildschirm diesmal? OK ich hebe ab, eine neue Dame am Telefon erklärt mir, sie löst jetzt mein Problem mit dem Fahrrad und schickt mich auf Englisch kreuz und quer durchs Hotel bis ich vor einer bestimmten verschlossenen Tür stehe, die plötzlich, wie von Zauberhand aufspringt. Da ist der Platz für ihr Fahrrad sagt Dame Nummer 3. Danke sage ich sprachlos, auch wenn es mir morgen schon vor der Prozedur graut, mein Fahrrad wieder da raus zu bekommen Nach geschlagenen 2 Stunden sitze ich endlich in meinem Zimmer und breite erstmal all meine nassen und dreckigen Zeltsachen im Zimmer aus. Ich wär ja gespannt, wie die das Zimmer dann morgen wieder trocken und sauber kriegen vom anderen Ende der Milchstraße. Ich habe fertig für heute.
Freue mich, dass du wieder auf dem Sattel sitzt und auf Tour bist!
AntwortenLöschenWünsche dir besseres Wetter und gute Beine! LG Christoph
Till
AntwortenLöschenHi Meth,
LöschenHier Beta Centauri:
Seit frühster Kindheit , wo man froh lacht, verfolgt mich dieser Wahlspruch magisch:
Man nehme ernst nur, was froh macht, das
Ernste aber niemals tragisch.